Gerhard Schneider empfängt am Samstag die Weihe

Ex-Banker wird Weihbischof in Stuttgart

„Mit großem Respekt, aber ohne Angst“ will sich Gerhard Schneider (50) seiner neuen Rolle als Weihbischof im Bistum Rottenburg-Stuttgart annähern. Der frühere Angestellte der Bundesbank weiß, dass das Bischofsamt angesichts der schwierigen Lage seiner Kirche derzeit nicht mit der Entrichtung von Vergnügungssteuer verbunden ist. Und er will sich auch nach der Weihe am Samstag nicht über sein Bischofsamt definieren und geht davon aus, dass sich an seinem Alltag und seinem Freundeskreis nicht viel ändern wird.

Schneiders Weg wirkt für eine Bischofskarriere untypisch. Der gebürtige Ulmer orientierte sich zunächst Richtung Geldwirtschaft, studierte Betriebswirtschaft und besuchte die Hochschule der Deutschen Bundesbank im rheinland-pfälzischen Schloss Hachenburg. Er absolvierte, vergleichbar mit Finanzbeamten, eine praxisorientierte Behördenausbildung. Nach deren Ende übernahm ihn die Bundesbank und schickte ihn auch wegen seiner vielfältigen Sprachkenntnisse im Vorfeld der Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein halbes Jahr nach Athen.

Schneider hat gelernt, „wie Institutionen ticken“

Schneider spricht von einer wichtigen Zeit für die Frage, was er danach machte wollte. Er machte den Job bei der Bundesbank nach eigenem Bekunden gern, sah ihn aber nicht als Lebensaufgabe. Wie einer seiner beiden älteren Brüder entschloss er sich zum Theologiestudium und wurde 2002 zum Priester geweiht. Trotzdem behielt er seine Kontakte in die Bankenwelt, trifft sich bis heute mit alten Kollegen, wie er sagt. Schneider nennt seine Jahre in Frankfurt eine „wertvolle und spannende Zeit“, in der er gelernt habe, „wie Institutionen ticken“.

Nach einer kurzen Phase in der Pfarrseelsorge kümmerte sich der designierte Bischof ab 2004 in Tübingen mit um die Priesterausbildung in der württembergischen Diözese. 2009 übernahm er das Ambrosianum, in dem angehende Studenten Hebräisch, Griechisch und Latein lernen. 2017 machte Bischof Gebhard Fürst Schneider zum Leiter der Hauptabteilung für Liturgie.