Pater Hans Zollner bereitet Treffen im Februar mit vor

Experte: Bei Missbrauchs-Gipfel im Vatikan sind Strukturen Thema

Beim Treffen von Spitzenvertretern der katholischen Kirche zum Thema Missbrauch im Februar im Vatikan soll es nach Worten von Jesuitenpater Hans Zollner vor allem um Verantwortungen der Kirchenleitungen und um Kirchenrecht gehen. „Wir schauen, welche strukturellen Fehler den Missbrauch so viele Jahre haben ungestraft fortdauern lassen“, sagte er den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Geklärt werden müsse, warum Bischöfe, „obwohl sie ihr Kirchenrecht eigentlich kennen müssten“, nicht entsprechend gehandelt hätten, so der zum Vorbereitungsteam für das Treffen gehörende Jesuit.

Künftig müsse klar festgelegt sein, wer Bischöfe gegebenenfalls zur Verantwortung zieht und welche Kompetenzen diese Führungsebenen haben, sagte Zollner. Als Beispiel nannte er die zuständigen Erzbischöfe, Vorsitzende der Bischofskonferenzen und „internationale Gremien auf kontinentaler Ebene“.

Zollner: Kirchenrecht soll bei Strafen differenzieren

Anders als im staatlichen Strafrecht sei bislang im Kirchenrecht nicht geregelt, welche Straftat welches Strafmaß nach sich ziehe, erläuterte Zollner. Auch werde im staatlichen Recht zwischen unterschiedlich schweren Arten von Missbrauch unterschieden. Das sei auch für das Kirchenrecht wünschenswert.

„Bisher ist die Entlassung aus dem Priesterstand die Standardbestrafung für einen Missbrauchtäter - wenn er überhaupt bestraft worden ist.“ Diese Standardbestrafung werde den unterschiedlichen Tätern und Opfern nicht gerecht.

Das Treffen im Februar

Das Treffen soll vom 21. bis 24. Februar stattfinden. Der Theologe und Psychologe Zollner war von Papst Franziskus zum Mitglied des Vorbereitungskomitees ernannt worden. Zollner leitet das Zentrum für Kinderschutz der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom.

An der Versammlung werden laut Zollner unter anderen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit, die Leiter der orientalischen Kirchen, die mit Rom verbunden sind, die Leiter der wichtigsten vatikanischen Ministerien sowie die höchsten Vertreter der Orden teilnehmen.