Mitglieder wollen Hass- und Wutkommentare nicht hinnehmen

Facebook-Gruppe #ichbinhier kämpft gegen Hetze im Netz

»#ichbinhier« setzt sich ein gegen Hass- und Wutkommetare im Internet.
Die Facebook-Gruppe »#ichbinhier« spürt im Internet Hass- und Wutkommentare auf und setzt sachliche Informationen dagegen.Foto: Alexander Klaus/Pixelio.de

Nacktfotos sind eindeutig. Die löscht die Facebook-Zensur recht schnell. Mit wilden Hass- und Wutkommentaren dagegen hat der Konzern Probleme. Solche Kommentare tauchen gerade dann schnell und zuverlässig auf, wenn es auf den Internetseiten großer Medien wie »Spiegel-Online«, »Stern« oder »Tagesschau« um Themen geht wie Flüchtlinge, Abschiebung oder die Verantwortung der Deutschen im Zweiten Weltkrieg.

Auch wenn die Hasskommentare nach Wortwahl und Inhalt von dummen Beleidigungen und Hetze strotzen, lassen sie sich scheinbar nur schwer he­rausfiltern. Der Facebook-Konzern jedenfalls zeigt sich im Kampf dagegen überfordert.

Vorbild aus Schweden

Anders eine private Initiative, die eine Idee aus Schweden Ende letzten Jahres nach Deutschland importiert hat. Unter dem Namen #ichbinhier hat sich dazu eine Facebook-Gruppe gegründet, die Hetze im Netz gezielt mit eigenen Gegen-Kommentaren bekämpft.

Das Prinzip ist einfach: Die Mitglieder werden täglich da­rüber informiert, wo ein Eingreifen mit Argumenten und sachlicher Gegenrede gerade sinnvoll erscheint. Möglichst viele sollen sich damit an den Diskussionen beteiligen oder den »Gefällt mir«-Button bei anderen Mitgliedern drücken. Das gezielte Vorgehen soll Hasskommentare nach unten verdrängen.

Für bessere Diskussionskultur

Hannes Ley, ein Unternehmensberater, hat #ichbinhier Ende Dezember gegründet. Mitte März zählte er bereits rund 26 000 Mitglieder. Die meisten der Aktiven unter ihnen, so Hannes Ley, unterstütze das Projekt per »Gefällt mir«-Button. Nur ein Bruchteil beteilige sich mit Kommentaren.

Hannes Ley möchte auf Dauer eine bessere Diskussionskultur im Internet entwickeln. Wie er in einem Interview mit dem »Stern« erklärte, auch mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl. Nach eigenem Selbstverständnis ist die Facebook-Gruppe nicht an eine politische Partei gebunden.

Auch Dunja Hayali ist dabei

Prominente Unterstützung hat das Projekt von ZDF-Journalistin Dunja Hayali bekommen. Sie ist selbst Mitglied und lobt #ichbinhier auf ihrer Facebook-Seite: »Man kann sich aktiv mit eigenen Kommentaren einmischen oder einfach die Argumente und Fakten anderer Mitglieder teilen. Es geht also auch um Präsenz und deutliche Signale«.