Bundesdelegiertenversammlung an diesem Wochenende

Familienbund der Katholiken tagt in Münster: „Vom Kind aus denken“

Noch wissen die Vertreter des Familienbundes der Katholiken nicht, wie sie die aktuellen Gespräche der Parteien untereinander und die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen hinsichtlich der Familienpolitik bewerten sollen. Aber eins wird auf der 128. Bundesdelegiertenversammlung in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster ein großes Thema sein: Wie kann die Verbandspolitik einen Perspektivwechsel unter dem Schlagwort „Vom Kind aus denken“ vollziehen?

Drei Tage werden die mehr als hundert Delegierten aus den Diözesanverbänden des Familienbundes und den Mitgliedsverbänden über einen Wechsel zur Kinderperspektive sprechen. Er soll die richtige Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte sein, insbesondere auf die Vielfalt der Familien. Überprüft werden soll die These, ob und wie das Kind der richtige Ansatzpunkt für familienpolitische Maßnahmen sein kann.

Kinder nicht wie „kleine Erwachsene“ behandeln

„Kinder brauchen einen optimalen Schutz. In der Vergangenheit wurden Kinder oft als kleine Erwachsene behandelt“, meint Matthias Dantlgraber, Bundesgeschäftsführer des Familienbundes der Katholiken, im Gespräch mit „Kirche+Leben“. Kinder seien aber als „Werdende“ in einer besonderen Situation, meint Dantlgraber. Die Delegiertenversammlung wolle überlegen, ob es sinnvoll sei, einen Perspektivwechsel in der Familienpolitik zu fordern.

Der Wechsel der Kinderper­spektive könnte nach Ansicht des Verbands zu Lasten der
Eltern gehen. Die aktuellen Diskussionen zu einer Reform der Kinder- und Jugendhilfe hätten gezeigt, dass diese Furcht nicht unbegründet ist.

Kinderrechte ins Grundgesetz?

„Entwürfe des Bundesfamilienministeriums haben die Tendenz erkennen lassen, dass an dem auch verfassungsrechtlichen Grundsatz des Rechts der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder gerüttelt werden könnte. Danach muss es dem Staat in erster Linie darum gehen, die Eltern in die Lage zu versetzen, Pflege und Erziehung ihrer Kinder selbst zu übernehmen“, sagt der Familienbund-Geschäftsführer. Der Staat habe nach den Vorgaben der Verfassung nicht zu entscheiden, „was eine gute Erziehung ist, sondern darf lediglich dann eingreifen, wenn objektiv eine Kindeswohlgefährdung vorliegt“.

Zu einem Perspektivwechsel gehörten neben der Kinder- und Jugendhilfe auch die Diskussion um die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz und die Idee einer Kindergrundsicherung. Schließlich könne die Forderung eines „Wahlrechts ab Geburt“ so verstanden werden, „dass in Zukunft mehr vom Kind aus gedacht werden sollte“, sagt Dantlgraber.

In Münster diskutiert wird auch die finanzielle Bedeutung der Kindergrundsicherung. Nach Ansicht des Familienbundes verbessert ein hoher Geldbetrag für Kinder deren Lebens­chancen und Chancengleichheit und bekämpft die Armut von Familien und Kindern. Andererseits  bestünde die Gefahr stärkerer Eingriffe des Staates, wenn gelte: Wer zahlt, bestimmt.

Der Familienbund der Katholiken
Der Familienbund der Katholiken (FDK) ist ein parteipolitisch unabhängiger konfessioneller Familienverband. Seit mehr als sechs Jahrzehnten setzt sich der Familienbund für Familienfreundlichkeit und Familiengerechtigkeit in der Gesellschaft ein. Er möchte Ansprechpartner und Lobby für alle Familien sein und sich in der Vertretung von Familieninteressen engagieren. Im Familienbund wirken zahlreiche katholische Verbände wie die Katholische Frauengemeinschaft, das Kolpingwerk, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, die Katholische Landvolk-Bewegung und der Sozialdienst katholischer Frauen als Mitgliedsverbände mit. Der FDK  ist in Diözesan- und Landesverbänden unterteilt. Dem Präsidium des Bundesverbands gehören aus dem Bistum Münster Elisabeth Löckener aus Bocholt und Stefan Nacke aus Münster an.