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Ordensbruder wird ausgezeichnet und ist vorher in Telgte

„Fazenda“-Gründer Hans Stapel: Franziskaner im Dienst der Schwachen

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Das Hilfsprojekt „Fazenda da Esperanza“ ist inzwischen weltweit bekannt. Gründer ist Franziskaner-Pater Hans Stapel, der im Paderborner Land aufwuchs. Für eine besondere Auszeichnung kehrt er in die Heimat zurück und gibt sich gewohnt bescheiden. "Kirche-und-Leben.de" hat ihn in Telgte getroffen.

Wenn Pater Hans Stapel im September von Deutschland nach Braslien zurückkehrt, dann hat er eine besondere Auszeichnung im Gepäck: Der Franziskaner wurde im Juli mit dem „COMMUNIO-Preis“ geehrt. Eine Würdigung seiner weltweiten Arbeit für eine menschenwürdige und lebenswerte Gesellschaft.

„Das Wort leben.“ Von diesem Motiv lässt sich der Geistliche immer wieder inspieren, seit er 1972 nach Brasilien kam und in Guaratingueta eine therapeutisch-spirituelle Selbsthilfeeinrichtung gründete und aufbaute, die Drogen- und Alkoholabhängige, aber auch alleinstehende Mütter, Straßenkinder und obdachlose Familien aufnimmt und dabei unterstützt, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten: Die „Fazendas da Esperanza“ - Höfe der Hoffnung.

 

Zwillingsbrüder engagieren sich gemeinsam

 

Bei Hans Stapel könnte das Motiv auch heißen „Nicht viel reden, sondern handeln.“ Das ist schnell zu spüren bei einem Besuch im Kreis von Freunden und Bekannten im münsterländischen Telgte. Auch sein Zwillingsbruder war dabei. Ebenfalls Theologe und ebenfalls in Brasilien (und inzwischen in Deutschland) für dasselbe Projekt engagiert.

Die Zwillinge wurden 1945 in Geseke geboren, wuchsen in Paderborn auf und lernten zunächst ein Handwerk - Hans wurde Buchbinder, sein Bruder wurde Buchdrucker - , bevor sie das Abitur machten. Das Leid der Bevölkerung im Biafra-Krieg (Bürgerkrieg in Nigeria von 1967 bis 1970) entfachte die Hilfsbereitschaft der jungen Männer, die sich dort ein Jahr in Hilfsorganisationen engagierten. Der weitere Weg war damit vorbereitet: Menschen dabei helfen, menschenwürdig zu leben.

 

Hans Stapel zieht es nach Brasilien

 

Informationen zum Projekt "Fazenda de Esperanca" gibt es auf der Webseite: fazenda.de.

Hans Stapel zog es nach Brasilien. „Im Geist eines Missionars,“ wie er sich gern erinnert. Er studierte Theologie, trat in den Franziskaner-Orden ein, wurde zum Priester geweiht und zum Pfarrer einer großen Gemeinde ernannt. In seinen Lebenserfahrungen („Die anderen bei sich aufnehmen – mit unabsehbaren Folgen“) berichtet er von einem Erlebnis, das die Arbeit der nächsten Jahre prägte: „Eines späten Abends stand eine schwangere junge Frau vor meiner Tür. Ihre Eltern hatten sie zu Hause rausgeschmissen, und nun war sie auf der Suche nach einer Unterkunft, wenigstens für eine Nacht. Ich war allein im Pfarrhaus und wusste nicht, was ich tun sollte. Mir war klar, dass es in der Gemeinde Gerede geben würde, wenn ich eine junge Frau ins Pfarrhaus aufnähme. Aber mir kam das Wort des Evangeliums in den Sinn 'Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.' Also habe ich sie aufgenommen, so dass sie ihr Kind austragen konnte. Danach habe ich für ihr Kind eine Familie gesucht, die das Neugeborene adoptiert hat.“ Später sagte ihm die junge Mutter, sie hätte das Kind abgetrieben, wenn er sie nicht aufgenommen hätte.

 

Arbeit von Pater Hans trägt schnell Früchte

 

Zwei Brüder, eine gemeinsame Aufgabe: Hans (r.) und Paul Stapel mit ihrer Gastgeberin in Telgte, Rita Budde.
Zwei Brüder, eine gemeinsame Aufgabe: Hans (r.) und Paul Stapel mit ihrer Gastgeberin in Telgte, Rita Budde. | Foto: Hubertus Kost

Von einem weiteren Beispiel berichtet Pater Hans: Er nahm ein Kind auf, das sehr krank war, keiner wollte es adoptieren. In der Sonntagspredigt erzählte er der Gemeinde davon und „gleich kam eine Familie, die das Kind adoptiert hat.“

Wie können wir mehr helfen? Diese Frage trieb den Franziskaner um, und es „begann ein Abenteuer ohne Geld.“ Seine Überzeugungsarbeit trug bald Früchte. So fanden sich Jugendliche aus der Gemeinde, die mit Drogenabhängigen zusammenzogen, viele Beispiele konkreter Unterstützung folgten. Pater Hans, wie ihn viele nennen, wurde darin bestärkt, dass es möglich ist, „das Evangelium in die Tat umzusetzen und andere dabei mitzunehmen.“ Er schreibt dazu in seinen Erinnerungen: „Ich hatte im Evangelium gelernt, das mir in jedem Menschen Jesus begegnet. Das gab mir immer wieder Mut, mich auf ein solches Abenteuer einzulassen.“

 

154 "Fazendas" entstehen weltweit

 

Ein Bauernhof, der ihm geschenkt wurde, bildete dann den Grundstein für die „Fazendas da Esperanca“, Richtschnur des gemeinsamen Lebens in diesen Selbsthilfeeinrichtungen ist das Evangelium. Dazu gehört auch regelmäßige Arbeit, denn die Menschen, die dort aufgenommen werden, sollen (wieder) an einen Alltag herangeführt werden.

Pater Hans baute die Höfe weiter auf. Dem „Ursprungs-Hof“ folgten bald weitere Fazendas, zunächst in Brasilien, dann in vielen anderen Ländern. 154 sind es inzwischen, in 20 Ländern, darunter auch in Deutschland. 1998 entstand die erste Fazenda in der Nähe von Berlin.

 

Paul Stapel kehrt nach Deutschland zurück

 

Noch einmal etwas zurück: Paul Stapel studierte in Paderborn Theologie, war dann als weltlicher Priester tätig und folgte 1986 seinem Bruder nach Brasilien. Nicht direkt, denn die Zwillingsbrüder leben in dem großen südamerikanischen Land etwa 4.000 Kilometer voneinander entfernt. Paul Stapel ist Pfarrer an der Kathedrale in Coroata, er engagierte sich dort 15 Jahre für das Projekt, das sein Bruder aufbaute. Der Pfarrer lebt jetzt wieder in Deutschland, von Bayern aus kümmert er sich um die deutschen Fazendas.

Einige Tage vor der Preisverleihung an Hans Stapel trafen sich die Zwillingsbrüder bei Rita Budde, deren (inzwischen verstorbener) Mann, Zahnarzt Ludger Budde, die Theologen während der Studienzeit kennenlernte. Es entstand eine Freundschaft, die Kontakte zur Familie Budde blieben über die Jahrzehnte erhalten. Zu dem „Treffen in Telgte“ kamen Freunde und Bekannte aus allen Teilen Deutschlands und aus Afrika, darunter Luiz Braz und Nelson Giovanelli, die am Fazenda-Projekt entscheidend beteiligt sind. Luiz Braz koordiniert als Regionalleiter die Hilfsangebote in Europa und arbeitet eng mit Paul Stapel zusammen. Von dem Projekt erfuhr er durch das Internet. Nelson Giovanelli ist in Brasilien an der Seite von Pater Hans unterwegs. Er stammt aus der Gemeinde, in der Hans Stapel als Priester arbeitete, studierte Theologie und setzt – wie er sagt - „die Botschaft des Evangeliums um.“

 

Auszeichnungen für die Arbeit von Pater Hans Stapel

 

„Mit dem „COMMUNIO-Preis“ werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in herausragender Weise im Geist christlicher Wertorientierung um eine Kultur des Dialogs, der Verständigung und Versöhnung bemühen und zum Aufbau einer menschenwürdigen und lebenswerten Gesellschaft in versöhnter Verschiedenheit beitragen.“ So heißt es in der Begründung für den Preis, der von der Gesellschaft zur Förderung der Katholischen Akademie Schwerte sowie der Campus-Weggemeinschaft gestiftet ist. Äußeres Zeichen ist eine Glasskulptur, die von der Künstlerin Susanne Precht geschaffen wurde. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Zur Jury gehören namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen und kirchlichen Lebens.

Der „COMMUNIO-Preis“ wurde 2014 gestiftet zur Erinnerung an den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. Erster Preisträger ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete und langjährige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Ruprecht Polenz aus Münster. Weitere Preisträger sind Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Philipp Rösler, ehemaliger FDP-Vorsitzender, Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und Geschäftsführer der gemeinnützigen „HNA Charity Foundation“.

 

"Eine Auszeichnung für alle"

 

Pater Hans freut sich natürlich sehr über die Auszeichnung, die sein Engagement würdigt, er sieht darin aber zugleich eine Auszeichnung für alle, die sich mit ihm für die Fazendas und damit für die Menschen einsetzen, die dort Hilfe erfahren.

2018 war der Franziskaner mit der „Goldenen Friedenstaube“ ausgezeichnet worden, die an Personen und Organisationen verliehen wird, die durch ihr Handeln den Wunsch und die Suche nach Frieden und Ruhe ausdrücken. Der Friedenspreis wurde 2008 vom deutschen Künstler Richard Hillinger anlässlich des 60. Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geschaffen und wird international als wanderndes Symbol des Friedens anerkannt, so steht es im Internet.

Der Ort der Preisverleihung hatte Symbolcharakter: Pater Hans erhielt die Auszeichnung anlässlich des 30-jährigen Bestehens der ersten Frauen-Fazenda in Guaratingueta. Zu den Preisträgern gehören zum Beispiel Amnesty International, Nelson Mandela und Papst Benedikt XVI., den die Stapel-Brüder übrigens pesönlich kennen.

Auch die Verleihung der Friedenstaube spricht für die Bescheidenheit von Pater Hans, denn er sagte nach der Ehrung in der Fazenda zu den Anwesenden: „Sie alle verdienen diese Auszeichnung, dieses Symbol des Friedens.“ 

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