Feierlichkeiten ohne Stiftskreuz

Festgottesdienst mit Bischof Genn zum Borghorster Stiftsjubiläum

In einem Festgottesdienst zur Feier der Gründung des Stifts Borghorst vor 1050 Jahren hat Bischof Felix Genn auch das Thema Missbrauch angesprochen. Gefeiert wurde ohne das Borghorster Stiftskreuz. Nach dem Diebstahl vor fast genau fünf Jahren ist der wertvolle Kunstschatz aus Sicherheitsgründen weiter in Münster unter Verschluss. „Ich danke allen, die für die Rückkehr des Kreuzes gebetet haben“, sagte Bischof Felix Genn beim Festgottesdienst. Er zeigte sich überzeugt: „Dass das Kreuz wieder da ist, ist nicht nur ein Verdienst akribischer kriminalpolizeilicher Arbeit.“

„Ohne den Glauben wäre Ihre Stadt nicht denkbar“, warf Genn in seiner Predigt einen Blick zurück in die mehr als 1000 Jahre alte Geschichte von Borghorst: „Frauen und Männer haben damals eine Gemeinschaft gegründet, um gemeinsam zu beten und die Gesellschaft aus dem Geist des Evangeliums mitzugestalten. „Können wir darauf heute aufbauen?“, fragte der Bischof. In einer Zeit vieler Umbrüche, auch in der Kirche, forderte Genn die Gemeinde in der vollbesetzten Nikomedeskirche auf, die Veränderungen als einladende Herausforderung anzunehmen. Das berichtet die bischöfliche Pressestelle Münster.

„Kinder dürfen nicht um Gott betrogen werden“

„Was bedeutet es für mich, heute Christ zu sein?“ Eine Antwort darauf überließ der Bischof jedem selbst. Er ermutigte vor allem die Erwachsenen, den Glauben weiterzugeben und nutzte dafür Worte eines Wissenschaftlers: „Können wir es uns leisten, unsere Kinder um Gott zu betrügen, in dem wir nicht mehr von ihm sprechen?“ Genn appellierte an die Freiheit des Einzelnen: „Hier hilft kein Zwang, auch wenn das vielleicht Generationen vor uns gedacht haben.“

In diesem Zusammenhang verurteilte der Bischof die „Vergehen und Verbrechen, die von solchen offenbar werden, die in der Kirche führende Positionen hatten und haben“. Das Christsein zu leben, Vorbild zu sein, in einer Zeit, in der das Thema sexueller Missbrauch einmal mehr die katholische Kirche erschüttert, sei eine besondere Herausforderung, betonte Genn.

1050 Jahre langes Glaubensleben in Borghorst

Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Pfarrer Markus Dördelmann den Bischof erstmals in Borghorst begrüßt: „Schön, dass Sie unsere Einladung angenommen haben.“ Auch Dördelmann schaute auf die vergangenen 1050 Jahre zurück: „So lange schon leben, feiern, trauern Menschen in St. Nikomedes. So lange schon erzählen Menschen hier von Gott.“ Dördelmann nahm dies als Auftrag: „Heute sind wir dran, mit unseren Möglichkeiten den Glauben weiterzutragen.“