Ärztin aus dem Bistum Münster auf schwimmendem Amazonas-Krankenhaus

Film dokumentiert Arbeit auf Krankenhausschiff „Papst Franziskus“

„Wir bringen den Menschen das, was sie einfach nötig brauchen: nämlich eine vernünftige Gesundheitsversorgung.“ Schwester Ruth Rottbeck ist Ärztin und Franziskanerin. Im Sommer hat die 46-Jährige, die aus Rhede im Bistum Münster stammt, ihren Job als Oberärztin am Klinikum Stuttgart aufgegeben und leitet nun ein schwimmendes Krankenhaus auf dem Amazonas.

Der Film „Mission auf dem Amazonas – Im Einsatz mit dem Krankenhausschiff“ läuft am 5., 6., 10. und 11. Oktober mehrmals beim Fernsehsender „Deutsche Welle“. Ab dem 7. Oktober wird er auch im Internet zu sehen sein. Alle Sendetermine und der Link zum Video bei der Deutschen Welle.

Die „Deutsche Welle“ hat das Krankenhausschiff bei der ersten Fahrt mit Kameras begleitet. Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine 26-minütige Reise – eine bewegende Reise in das Herz jener Region, die nun bei der Amazonas-Synode drei Wochen lang im Zentrum der Weltkirche steht.

Eine Wanderkirche, die Körper und Seele nährt

Das vor wenigen Wochen gestartete Krankenhausschiff „Papa Francisco“ besucht entlegene Gebiete in den schier unendlichen Weiten am Amazonas. Versorgung für Menschen am Rande. „Es ist“, sagt Bruder Joel, der Koordinator des Projekts, „eine Wanderkirche. Mit der wir losziehen, Gesundheit bringen, den Körper nähren, aber auch die Seele.“

So wie in der kleinen Flussgemeinde Santo Antonio im Bundesstaat Pará. Schon seit dem frühen Morgen warten die Menschen, denen der Halt des schwimmenden Krankenhauses vorher angekündigt wurde, geduldig. Das nächste Krankenhaus ist eine halbe Tagesreise über den Fluss entfernt in Obidos, dem Bischofssitz. Für die Alten zu anstrengend, generell für viele zu teuer. Nun kommt die Gesundheitsversorgung kostenfrei und quasi direkt vor die Haustür. Auch aus den umliegenden Dörfern kommen die Menschen.

Fromme Helfer mit medizinischer Kompetenz

Einer der ersten Patienten ist gleich ein Notfall. Ein 85-Jähriger hatte die ganze Nacht Atemnot und Schmerzen im Brustkorb. Bis in die nächste Stadt hätte er es nicht mehr geschafft. „Er wäre mir fast gestorben“, sagt seine Ehefrau. „Wir haben schon das Ende kommen sehen. Da habe ich zu ihm gesagt: ‚Halt Dich an Gott.‘“

Aber auf dem Schiff warten nicht nur fromme Helfer, sondern eben auch medizinische Kompetenz. Zum Team von Franziskanerschwester Ruth gehören acht Fachärzte, bei dieser Fahrt auch zwei italienische Herz-Spezialisten. Nach dem EKG ist schnell klar: Der alte Mann leidet an Herzinsuffizienz. Er hatte bereits einen leichten Infarkt. Es gibt erste Medikamente.

Technisch bestens ausgestattet

Alle Mediziner opfern für das Projekt Ihren Sommerurlaub. Das Ultraschall ist schnell im Einsatz, die Zahnarztpraxis belegt, ein Röntgengerät steht bereit. Auch ein Operationssaal findet sich an Bord. Die „Papa Francisco“ ist das bestausgestattete Krankenhausschiff im gesamten brasilianischen Amazonasgebiet. Und – Wunder der Technik – bei komplizierteren Fällen setzen Ruth Rottbeck und die anderen Ärzte auf Telemedizin. Videos, Fotos sowie erste Diagnosen werden an eine internationale Expertengemeinde verschickt – mit der Bitte um Behandlungsvorschläge. „Später rufen wir sie an, ob es Empfehlungen gibt“, sagt die Franziskanerin.

Entlang des größten Flusses der Welt soll die „Papa Francisco“ über 1.000 entlegene Gemeinden versorgen. Dort, wo bisher keine medizinische Hilfe hinkam. Der Bischof von Óbidos, Johannes Bahlmann, ebenfalls Franziskaner aus dem Bistum Münster, hat die Idee des Schiffshospitals mitentwickelt. „Für uns ist es eine Freude, allen helfen zu können. Und ich hoffe, dass sie die Heilung finden, die sie für ihr Leben brauchen“, sagt er im Film.