Essener Generalvikar Klaus Pfeffer: Es ist zum Verzweifeln / Bistum Münster erläutert Kontrollen

Finanz-Skandal im Vatikan: Massive Vorwürfe aus Deutschland

Der Vatikan-Skandal um die Verwendung des eigentlich für Arme gedachten „Peterspfennigs“ für luxuriöse Immobiliengeschäfte in London sorgt in Deutschland für massive Empörung. „Es ist zum Verzweifeln“, schreibt der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer auf seiner Facebook-Seite: „Vatikanische Behörden, die in der Weltkirche nach wie vor gerne kontrollierend-belehrend auftreten oder durch einzelne Repräsentanten vor allem mit moralisierenden Urteilen über andere auffallen, erweisen sich als Repräsentanten eines ‚Systems‘, das sämtliche Glaubwürdigkeit bald vollends verliert – und vielleicht schon verloren hat.“

Angesichts solcher Nachrichten aus dem Vatikan könne er „nur noch ratlos mit dem Kopf schütteln“. Das bestätige einmal mehr, wie überfällig radikale Reformen in der Kirche seien. Gleichwohl nahm Pfeffer Papst Franziskus in Schutz. „Ihm ist es zu verdanken, dass endlich offen, angstfrei und ohne Denk- und Sprechverbote in unserer Kirche ‚Tacheles‘ geredet werden kann.

Der Hintergrund

Der Papst hatte sich am Dienstag auf seinem Rückflug von Japan nach Rom zu dem Korruptions-Skandal geäußert: „Das ist ein Skandal, sie haben Sachen gemacht, die nicht sauber zu sein scheinen.“ Er verteidigte seine Entscheidung, die Büros von fünf Verdächtigen durchsuchen zu lassen. Diese hatte zum Ausschluss des Vatikans aus der Egmont-Gruppe geführt, die sensible Informationen über internationale Finanzaktivitäten austauscht. Die vatikanische Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gegen fünf teilweise hochrangige Mitarbeiter des Staatssekretariats und der Finanzaufsicht.

Franziskus hatte nach eigenen Angaben selbst dazu geraten, bei der vatikanischen Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten, nachdem der interne Wirtschaftsprüfer mit dem Verdacht zu ihm gekommen sei.

Bistum Münster: Alle anderen Spenden werden kontrolliert

Im Bistum Münster werden nach eigenen Angaben jährlich rund 160.000 Euro aus dem nordrhein-westfälischen Teil als „Peterspfennig“ an den Vatikan überwiesen. Der Betrag setzt sich laut Bischöflicher Pressestelle in Münster aus einer Kollekte und einer Aufstockung aus dem Bistumshaushalt von 0,10 € pro Katholik zusammen. 2018 etwa wurden bei der Kollekte 55.044,03 Euro gespendet, die Aufstockung betrug 105.935,07 Euro.

Dieser Betrag sei der einzige Spendenbetrag, den das Bistum direkt an den Vatikan weiterleite. Bistum-Sprecherin Anke Lucht bestätigte auf Anfrage von „Kirche-und-Leben.de“ Informationen des WDR, wonach das Bistum die Verwendung aller anderen eingehenden Spenden wie etwa Adveniat oder Misereor mit einer eigenen Revisionsabteilung kontrolliere. „Ich kann verstehen, dass solche Schlagzeilen Vertrauen erschüttern. Wir befürchten, dass sich das negativ auswirken könnte“, sagte Lucht im WDR-Fernsehen. „Ich hoffe allerdings, dass unsere Kontrollen dabei helfen, Vertrauen zu erhalten.“