Diözese sei aber auch „Opfer“

Finanzskandal in Eichstätt: Bistums-Berater sieht kirchliche Fehler

Im Skandal um ungesicherte Darlehen in Millionenhöhe sieht sich das Bistum Eichstätt als „Opfer, und nicht Täter“. Das sagte der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl, der das Bistum seit Herbst 2015 berät, am Dienstag. Gleichwohl bescheinigte Wastl der Diözese auch Missstände und Versäumnisse in der Vermögensverwaltung. Zu lange sei nach dem Prinzip „Vertrauen ersetzt Kontrolle“ gehandelt worden.

Generalvikar Isidor Vollnhalls sprach von einer „schmerzlichen Erfahrung“. Das Vertrauen in einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Finanzkammer sei „schwerwiegend enttäuscht worden“.

Ein Sechstel der Finanzanlagen des Bistums

Laut Wastl fädelte der inzwischen verhaftete Mitarbeiter zwischen März 2014 und Mai 2016 insgesamt 31 großteils unbesicherte Darlehensgeschäfte mit US-Immobilienprojektierern über eine Gesamtsumme von umgerechnet 48,2 Millionen Euro ein. Die Summe entspricht nach Wastls Worten dem höchsten denkbaren Schaden. Der faktische Schaden lasse sich noch nicht endgültig beziffern. Allerdings seien bereits fällige Kredite in Höhe von 21,5 Millionen Euro bis heute nicht zurückgezahlt worden.

Florian Bohn (39) wird neuer Finanzdirektor im Bistum Eichstätt. Damit übernehme ein „ausgewiesener Fachmann aus der Wirtschaftspraxis“ die seit mehr als einem Jahr vakante Stelle, teilte das Bistum mit. Zudem sei geplant, Bohn zum 1. Oktober auch zum Diözesanökonom zu ernennen. Gemäß Kirchenrecht verwaltet der Ökonom das Diözesanvermögen und ist unmittelbar dem Bischof verantwortlich. Die Direktorenstelle ist seit dem 1. Januar 2017 vakant, nachdem der damalige Domdekan Willibald Harrer seinen Rücktritt vom Amt des leitenden Finanz- und Baudirektors eingereicht hatte. Kommissarisch wurde die Aufgabe von Generalvikar Isidor Vollnhals verantwortet.

Der Jurist bestätigte Medienberichte, wonach das Gesamtvolumen der Darlehen etwa einem Sechstel der Finanzanlagen des Bistums entspreche. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Vermögen der Diözese.

Auch früherer Finanzdirektor kannte Verträge

Die Projektgrundstücke befänden sich überwiegend in und um Dallas in Texas sowie in Florida. Der Diözese seien bei den Geschäften sieben bis zehn Prozent Zinsen in Aussicht gestellt worden. Alle Verträge seien nach dem Vier-Augen-Prinzip getätigt worden. Das bedeutet, dass sie auch vom damaligen Finanzdirektor abgesegnet wurden.

Dieser – seit Anfang 2017 nicht mehr im Amt – sei von seinem Mitarbeiter womöglich getäuscht worden, fügte der Anwalt hinzu. Eine Genehmigung der Geschäfte durch den Diözesanvermögensverwaltungsrat sei nicht erforderlich gewesen.

Künftig keine Finanz-Kontrolle durch Geistliche mehr

Wastl und Vollnhalls stellten klar, der entstandene Schaden gefährde weder Stellen und Löhne von Mitarbeitern im Bistum noch Projekte der Pfarreien. Der Schaden sei dem Vermögen der Diözese entstanden; Kirchensteuereinnahmen, aus denen die laufenden Ausgaben bestritten werden, seien nicht betroffen.

Der Bistumsberater erläuterte Maßnahmen, die inzwischen zur Neuordnung der Vermögensverwaltung ergriffen worden seien. So laute eine Vorgabe von Bischof Gregor Maria Hanke, künftig Geistliche von der Kontrolle des Vermögens fernzuhalten. Dies sei im neu besetzten Diözesanvermögensverwaltungsrat bereits realisiert, in den ausschließlich externe Fachleute berufen wurden.

Neue Anlagerichtlinien sähen das Verbot von Eigenanlagen vor. Alle von Dienstleistern getätigten Investments müssten ethischen Grundsätzen entsprechen. In den nächsten Tagen werde ein Statut in Kraft gesetzt, das die Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Zustimmungsvorbehalte in der Vermögensverwaltung des Bistums völlig neu regle.