Wie die City-Seelsorge und Pfarrer Michael Heyer auf Corona reagieren

Forum St. Peter in Oldenburg: Jetzt fehlt uns unser zweites Sofa

Michael Heyer hat hier an einem Tag schon mal 350 Menschen gesehen, in Saal und Foyer des Forums St. Peter Oldenburg. Da war allerdings eine Buchmesse in der Stadt. Aber auch an normalen Tagen kommen doch immer etwa 90 Menschen vorbei und halten sich zwanglos dort auf, berichtet der Pfarrer des Forums. Gelegenheitsgäste, so etwas wie Laufkundschaft.

Der schmucklose Bau zwischen Bürohochhaus, Kirche und Krankenhaus in der Innenstadt von Oldenburg hat seine tägliche Anziehungskraft. Das war auch das Ziel bei diesem Projekt der Cityseelsorge.

Damit ist es nun vorbei. Wegen der Corona-Krise ist das Forumsgebäude geschlossen. Nur noch die Forumskirche St. Peter ist geöffnet.

Einsamen Menschen fehlt der Schutzraum

Pfarrer Michael Heyer.
„Michael Heyer, Pfarrer des Forums St. Peter in Oldenburg, bei seinem Dienstantritt 2018 mit Gästen im Foyer des Forums. | Archiv-Foto: Franz Josef Scheeben

Michael Heyer sieht darin für einige seiner Gäste ein besonderes Problem. Im Forum gebe es nämlich eine regelrechte Stammkundschaft, die dort „ihren besonderen Schutzraum“ suche. Oft seien das Alleinlebende, oft Menschen mit Problemen, Vereinsamte. Für die sei das Forum ein fester Treffpunkt, ein Ausbruch aus der Anonymität der Großstadt.

Als die Schließung des Forums bekannt wurde, fand Heyer wenig später eine SMS auf seinem Handy: „Ich habe jetzt mein zweites Sofa verloren.“ Pfarrer Heyer findet: „Das trifft es genau.“

Beratung der Caritas hat ihnen geholfen

Kontakt zum Forum gefunden haben diese Menschen oft durch eine Besonderheit des Forums: Alle Beratungsangebote der Oldenburger Caritas sind dort zusammengefasst. „Viele wurde dort beraten. Dann hat sich ihre Lage geändert, aber sie sind bei unserem offenen Treff geblieben.“

Für sie und alle anderen Gäste steht ein so genannter Präsenzdienst bereit, ein Team von 70 Ehrenamtlichen.

Auch Bildungsabende im Forum St. Peter sind abgesagt

Abgesagt sind im Forum auch alle Bildungsveranstaltungen und Gottesdienste. Sonntags kommen in den beiden Gottesdiensten in der Forumskirche sonst bis zu 500 Menschen zusammen.

Pfarrer Heyer hat für sie ein Internetangebot eingerichtet; Interessierte können seinen Sonntagsgottesdienst auf Youtube anschließend ansehen. Bewusst nicht live, betont er. Er wolle den Gewohnheiten von Internetnutzern entgegenkommen. „Man ist völlig frei, wann und wie man darauf zugreift.“

Gottesdienst im Netz ist überraschend gefragt

Deshalb sei der Gottesdienst auch bewusst kurz gehalten. Keine Lieder, der Wortgottesdienst gestrafft. Knapp 25 Minuten habe die erste Aufnahme gedauert, berichtet Heyer. Der Zuspruch im Netz habe ihn völlig überrascht. Nach 24 Stunden sei das Video 1310 mal aufgerufen worden.

Im Bistum gibt es neben dem Forum St. Peter noch drei weitere Projekte der katholischen City-Seelsorge: das Kirchenfoyer in Müns­ter, das Gasthaus in Recklinghausen und das IGZ in Dülmen. Das Forum hebt sich durch die eigene Forumskirche und die Beratungsangebote davon ab.