Marienwallfahrtsort im westfälischen Kreis Soest

Franziskaner verlassen Werl – Wie es mit der Wallfahrt weitergeht

Am Sonntag endet im westfälischen Wallfahrtsort Werl eine Ära. Dann verabschiedet der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in einem Gottesdienst die Franziskaner, die 170 Jahre lang die Pilger betreuten. Der Gemeinschaft fehlt der Nachwuchs, weshalb sie vor vier Jahren die Aufgabe des Standortes ankündigte. Künftig kümmert sich ein Seelsorge-Trio des Erzbistums um die Wallfahrt.

Deshalb spricht der bisherige Wallfahrtsleiter, Pater Ralf Preker, auch nicht von einem Abbruch. Mit Pastor Gerhard Best und zwei Mitstreitern habe Werl eine Zukunft. Vor 358 Jahren wurde die Wallfahrt begründet.

Das Gnadenbild

Das vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammende Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ wurde im benachbarten Soest verehrt. Im Zug der Reformation wurde die Statue 1661 ins katholische Werl übertragen. Für Experten gehört die Arbeit zur Kategorie der „Ringpfostenmadonnen“: Maria ist erhaben auf einem Thron sitzend dargestellt - und zugleich selbst Thron für ihren Sohn Jesus, der als Weltenrichter erscheint.

Jedes Jahr kommen rund 100.000 Pilger nach Werl. Augenfällig ist die neuromanische Wallfahrtskirche, die zwischen 1903 und 1906 erbaut wurde. Neben der Basilika mit den signifikanten Zwillingstürmen steht die alte Wallfahrtskirche, vom Stil des Spätbarocks geprägt.

Geschichte der Wallfahrt

Höhepunkt der Wallfahrt in der jüngeren Vergangenheit war das 350-Jahr-Jubiläum 2011, das Pater Ralf als persönliches Highlight seiner elfeinhalb Jahre in Werl erlebte. In dem Festjahr seien rund 200.000 Pilger und damit doppelt so viele wie sonst gekommen. Eine eigene Jugendkirche oder die zum Jubiläum erstmals gestartete Motorradwallfahrt habe auch junge Menschen mit der Tradition in Berührung gebracht, so der Geistliche, der künftig den Franziskanerkonvent in Füssen im Allgäu leitet.

Die erste Gründung einer franziskanischen Niederlassung in Werl erfolgte 1645 durch die Kapuziner. Die preußische Regierung löste dieses Kloster 1834 auf; die letzten Kapuziner verließen zwei Jahre später Werl. 1849 gründeten die Franziskaner ein neues Kloster, das sie im Kulturkampf - von 1875 bis 1887 - verlassen mussten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde außer der Wallfahrtskirche auch das Kloster neu erbaut.

Bedeutendes Museum

1962 errichteten die Franziskaner am Kloster das Missions- und Völkerkundemuseum „Forum der Völker“. Mit heute rund 15.000 Exponaten ist es das größte Haus dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Unternehmen aus der Region wollen das Museum über eine Stiftung weiter betreiben und erweitern.

Übernehmen und ausbauen - diese Devise gilt auch für den Wallfahrtsort insgesamt. 2017 kaufte das Erzbistum Paderborn Grundstück und Klostergebäude, um die Wallfahrts-Seelsorge „in eine gute Zukunft zu führen“. In den kommenden zwei Jahren erfolge der Umbau zu einem neuen Pilgerzentrum, wie der neue Wallfahrtsleiter und gebürtige Werler Gerhard Best erläutert. Der Eingangsbereich wird größer und einladender. Bis zu 100 Menschen sollen auf einfachstem Standard übernachten können. Zwei Zimmer bieten Platz für Obdachlose.

Neue Akzente geplant

Auch inhaltlich wollen Best, ein weiterer Priester und eine Seelsorgerin neue Akzente setzen. Neben der Stärkung der traditionellen Marienwallfahrt hat das Team den einzelnen Pilger im Blick, der auf Sinnsuche ist und sich vielleicht an der Kirche reibt. Für sie soll es eigene Angebote geben, die nicht unbedingt an die Marienverehrung anknüpfen müssen. Geplant ist auch ein „Trostweg für Frauen“ im Klostergarten mit marianischen Pflanzen wie Lilien.

Weiter will das Seelsorgetrio die Marienwallfahrt ökumenisch öffnen - für Christen der Ostkirchen wie der Reformation. In diesem Sinn wird am 7. September eine ökumenische Wallfahrtsgruppe aus Soest erwartet. Und: Ganz ohne Ordensleute wird die Wallfahrtsstätte nicht bleiben - im Dachgeschoss zieht der Konvent der Werler Ursulinenschwestern ein.