Papst ruft Betroffene in Camerino zu Eigeninitiative auf

Franziskus besucht italienische Erdbebenregion von 2016

Bei seinem Besuch der 2016 von einem Erdbeben getroffenen Stadt Camerino hat Papst Franziskus am Sonntag davor gewarnt, die Menschen in der Region zu vergessen. Gleichzeitig rief er sie zur Eigeninitiative auf. Fast drei Jahre „nach der ersten emotionalen und medialen Betroffenheit sinkt die Aufmerksamkeit, geraten Versprechen in Vergessenheit und wächst die Verzweiflung jener, die mit ansehen müssen, wie die Region sich immer mehr entvölkert“, kritisierte der Papst.

Angesichts der Untätigkeit von Behörden, auf die Franziskus in seiner Predigt auf dem zentralen Platz der 7.000-Einwohner-Stadt in der Region Marken indirekt anspielte, rief er die Menschen auch zur Eigeninitiative auf. „Jeder kann etwas Gutes tun, ohne darauf zu warten, dass andere anfangen. Jeder kann jemand anderen trösten, ohne zu erwarten, dass seine eigenen Probleme gelöst werden“, so der Papst. „Jeder kann etwas tun“, wiederholte er mehrfach.

Franziskus besucht Notunterkünfte und Kathedrale

Bezugnehmend auf die Bibellesungen des Gottesdienstes suchte Franziskus die Menschen mit Verweis auf Gottes Nähe und die Kraft des Heiligen Geistes zu trösten. „Klein sind wir unter dem Himmel und ohnmächtig, wenn die Erde bebt, aber für Gott sind wir kostbarer als alles andere“, so der Papst.

Zu Beginn seiner halbtägigen Visite in der Erdbebenregion hatte das Kirchenoberhaupt am Morgen eine Reihe von Notunterkünften besucht und mit deren Bewohnern gesprochen. Diese begrüßten ihn in den aus Holzwänden gebauten Reihenhäusern.

Die meisten Kirchen in der Diözese sind nicht begehbar

Anschließend besichtigte der Papst die stark beschädigte Kathedrale von Camerino. Wie alle anderen Anwesenden musste er dabei einen Schutzhelm tragen. Vor einer von Trümmern beschädigten Madonnenfigur legte er einen Blumenstrauß ab und sprach ein kurzes Gebet. Anschließend traf Franziskus mit den Bürgermeistern aus der Region zusammen.

Der Bischof der Diözese Camerino, Francesco Massara, hatte vor dem Besuch mitgeteilt, dass von 500 Kirchen in seinem Bistum 356 nicht begehbar sind.