MACHTMISSBRAUCH

Was ein Film über Fernseh-Frauen auch über die Kirche offenbart

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Sexismus im Fernsehgeschäft, Ausgrenzung in der Kirche – die Muster ähneln sich. Die Frage der Gleichberechtigung bleibt aktuell, sagt Burkhard Hose.

Ich war der einzige Mann, der im Kinosaal saß, um „Was haben wir gelacht“ anzuschauen. Der Dokumentarfilm von Eva Müller und Isabel Schneider läuft seit Mitte Juli in vielen Programmkinos. Erzählt wird die Geschichte deutscher Fernsehunterhaltung der 90er-Jahre, die weitgehend von Männern bestimmt wurde.

Von Demütigungen und Machtmissbrauch

Nur selten wurde mit Frauen gelacht. Dafür gab es viel Gelächter auf Kosten von Frauen, sexistische Abwertungen und übergriffiges Verhalten. In beeindruckenden Interviews schildern die queeren Frauen Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und Maren Kroymann sowie Gaby Köster und Esther Schweins ihre Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche.

Überlebte Demütigungen, männliche Gewalt und Machtmissbrauch, aber auch eigene Stärke haben sie zu denen werden lassen, als die sie heute bezeichnet werden: Pionierinnen und Legenden. Ihnen werden im Film Ausschnitte aus Fernsehshows gezeigt, die diesen Weg bebildern. Mir ging es beim Zuschauen ähnlich wie der Regisseurin Eva Müller, die in den 90ern ein Teenager war: „Heute sitzt man davor und denkt: Krass, dass das einmal möglich war!“

Und Frauen in der Kirche?

Der Autor:
Burkhard Hose ist Hochschulpfarrer und Hochschulreferent in Würzburg, Buchautor und Vorstandsmitglied im Verein #OutInChurch.

Bereits im Kinosaal dachte ich an Erfahrungen, die Frauen in der Kirche machen mussten und noch heute machen. Absurde Begründungen aus der TV-Unterhaltung des ausgehenden letzten Jahrtausends, warum Frauen angeblich nicht witzig seien und damit nicht als Comedian oder Moderatorin einer Unterhaltungsshow taugten, ähneln in erschreckender Weise vermeintlich theologischen Argumenten, die bemüht wurden und werden, um kirchliche Ämter für (heterosexuelle) Männer zu reservieren. Noch einmal schließe ich mich Eva Müller an, die feststellt: „Man wundert sich streckenweise, dass man dabei gewesen ist.“

„Was haben wir gelacht“ ist kein „Frauen-Film“, genauso wenig wie die Berichte über die Herabwürdigung von Frauen in der Kirche ein „Frauen-Thema“ sind. Ich bin als Mann gefragt, wo ich in meiner privilegierten Position immer noch dazu beitrage, dass Frauen abgewertet werden. Als Mann kann ich meine Wahrnehmung verändern, mich solidarisieren und wenigstens in meinem direkten Umfeld dafür sorgen, dass es gerecht zugeht.

Es geht auch nicht nur um die Unterhaltungsbranche oder um die Kirche. In Zeiten, in denen in der Politik männliche Dominanz fröhliche Urständ feiert und männliche Gewalt auf den Straßen Menschen in den Tod reißt, geht es um viel mehr. Um die Frage, in welcher Welt wir gemeinsam leben wollen.

Quellenhinweis: Die eingebundenen Zitate der Regisseurin stammen aus einem WDR-Interview: www1.wdr.de/kultur/doku-film-was-haben-wir-gelacht-100.html

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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