Pfarrgemeinde St. Marien organisiert besonderen Dienst

Frauen in Delmenhorst begleiten Verstorbene ohne Angehörige

Trauerfeier in der Kapelle auf dem Evangelischen Friedhof Bungerhof in Delmenhorst. Das ist der normale Alltag, eigentlich alles wie sonst. Heute aber fehlt etwas: Wo sind Familie, Verwandten, Freunde? Wer folgt dem Sarg oder der Urne auf dem letzten Gang?

In Delmenhorst gibt es inzwischen viele Tote, die allein beigesetzt werden. 2017 gab es 90 solche Fälle; niemand in der Stadt nahm Notiz vom Ableben dieser Menschen. Eine Gruppe von zehn Frauen aus der Gemeinde St. Marien aber hat sich zum Ziel gesetzt, diese Verstorbenen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Als Zeichen gegen deren Einsamkeit.

Schon früh bei anonymen Bestattungen

Ein ähnlicher Kreis rund um Brigitta Lobenstein hatte schon vor Jahrzehnten anonyme Armenbestattungen begleitet; die Tradition war eingeschlafen. Vor vier Jahren sprach die evangelische Predigtlektorin Barbara Stolberg während einer ökumenischen Bibelwoche den damaligen Pfarrer Hubert von der Heide auf das Thema an. Von der Heide erinnerte sich an den Kreis um Brigitta Lobenstein – das war der Neuanfang für eine feste Gruppe.

Ein Blick in die Kapelle: Auf einem mit grünem Samt überzogenen Podest stehen drei Urnen. Aus dem Lautsprecher klingt leise Trauermusik. In diesem Fall aber dürfte die Dekoration vom Bestattungsunternehmen übernommen werden, ein Blumengruß kommt vom Oberbürgermeister oder auch von einem Markthändler. Verwandte findet man nicht.

Viele einsame Menschen in Delmenhorst

Denn in einer Stadt wie Delmenhorst gibt es viele einsame Menschen, manche ohne Verwandte, ohne Zuhause, ohne Kontakt zu Angehörigen. Oft übernimmt das Sozialamt die Kosten der Bestattung – weil sich eben keine Angehörigen finden.

Diese Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, dem widmet sich nun die Gruppe um Barbara Stolberg und Brigitta Lobenstein. Immer am ersten Montag des Monats treffen sie sich in der Kapelle des evangelischen Friedhofs in Bungerhof und gestalten für die im vergangenen Monat Verstorbenen eine Trauerfeier. Begleitet werden sie abwechselnd von evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern oder von Pastoralreferent Thomas Fohrmann.

Wenn vertraute Namen auftauchen

Name, Geburts- und Sterbedatum sind die einzigen Informationen, die die Frauen dieser Gruppe vor der Feier erhalten; um so erschreckender ist es für sie, wenn vertraute Namen auf der Liste auftauchen.

Nach der Trauerfeier begleitet die Gruppe die Urnen bis zum Gräberfeld, mit Teelichtern in der Hand. Am Ende des Weges müssen sie zurückbleiben. Der Bestattungsort bleibt geheim. Aus Gründen des Datenschutzes.