Weihbischof Zekorn fordert vielseitigen Einsatz für den Staatenbund

Freckenhorster Forum diskutiert über die Zukunft Europas

Beim 5. Freckenhorster Forum in der Landvolkshochschule haben Weihbischof Stefan Zekorn, der EU-Abgeordnete Elmar Brok und der deutsch-amerikanische Unternehmer Martin Richenhagen über die Zukunft Europas diskutiert. Weihbischof Zekorn rief dabei zu einem Dialog auf allen Ebenen auf.

„Wir brauchen Dialog, Dialog, Dialog – auf allen Ebenen, zwischen den Menschen in den Ländern Europas, in Deutschland und in der Kirche“, sagte Zekorn vor 150 Zuhörern. Der Weihbischof sprach zum Forums-Thema „Europa nach der Wahl – Herausforderungen für Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche“. Aus der Perspektive der christlichen Soziallehre ging er dabei der Frage nach, wie die Entwicklungen in Europa sozial gerecht zu gestalten sind, um Flucht und Armut zu vermeiden. Das meldet die bischöfliche Pressestelle in Münster.

Europa vor großen Herausforderungen

Aus Sicht von Weihbischof Zekorn stehen Deutschland und Europa vor Herausforderungen, wenn es darum geht, die Gesellschaft auf Dauer zusammenzuhalten. „Starke Emotionen stehen der komplexen Realität gegenüber“, nannte er ein Beispiel und verdeutlichte dies am Klimawandel. „Wir müssen uns radikal gegen den Klimawandel einsetzen, aber das ist eine schwierige, komplex zu verhandelnde Geschichte. Viele Menschen erwarten aber von der Politik, dass es bis Herbst eine Lösung für die Zeit bis 2050 gibt“, sagte Zekorn.

Darüber hinaus beobachte er eine Europa-Skepsis – besonders in der jüngeren Bevölkerung. „Europa ist das größte Friedens- und Kulturprojekt seit dem römischen Reich. Das müssen wir den jungen Menschen wieder vor Augen führen“, sagte er. Zuletzt sprach er sich für eine europäische Öffentlichkeit aus, „damit nationale Probleme die EU-Politik nicht in dem Maße bestimmen, wie es aktuell der Fall ist“. Der Weihbischof plädierte außerdem dafür, gemeinsame Werte wie Freiheit, Menschenrechte und Demokratie stärker zu leben und zu exportieren. „Wir können dankbar sein, in einer europäischen Gesellschaft zu leben, die in weiten Teilen davon geprägt ist. Das müssen wir bewahren und fortsetzen“, ermutigte er.

„Deutschland muss Hausaufgaben machen“

Ebenfalls als Gäste auf dem Podium sprachen der CDU-Politiker Elmar Brok, der von 1980 bis 2019 Mitglied des europäischen Parlaments und damit der dienstälteste EU-Abgeordnete war, sowie Professor Martin Richenhagen. Der deutsch-amerikanische Manager ist Chef des global tätigen Traktorenherstellers AGCO.

„Ich bin überzeugter Europäer“, stellte Richenhagen klar. Europa werde eine großartige Zukunft haben. Die Unruhe halte er für ein gutes Zeichen: „Es ist ein Zeichen dafür, dass die Bürger mündiger geworden sind“, erklärte er. Doch der Unternehmer übte auch Kritik: „Wir müssen uns in Europa schneller bewegen. Dafür muss auch Deutschland seine Hausaufgaben machen.“ Richenhagen ermutigte dazu, die historische Chance zu ergreifen und ein Europa zu entwickeln, das – ähnlich den USA – zu den Vereinigten Staaten von Europa werden könne. Dafür müssten sich Vertreter von Politik, Kirchen und Wirtschaft zusammensetzen und sich zu ethischen Grundsätzen bekennen.

Für Elmar Brok ist Europa „eine riesige Erfolgsstory“. Vieles sei in den vergangenen 30 Jahren in Europa erreicht worden, unter anderem ein gemeinsamer Binnenmarkt, der „die größte Handelsmacht der Welt“ sei. „Aus Freckenhorst können heute so leicht Waren nach Paris geliefert werden wie früher nach Telgte“, gab er ein Beispiel. Die Kosten für den Binnenmarkt würden außerdem regelmäßig überschätzt: „Die Europäische Union kostet uns insgesamt ein Viertel von dem, was uns die Bundeswehr kostet“, verglich der Politiker.