Neuausrichtung im kirchlichen Lehramt

Freckenhorster Kreis kritisiert „unnatürlichen Umgang mit Sexualität“

„Sexueller Missbrauch im Kontext des Glaubens ist zerstörend, beschämend und in den Lebensauswirkungen für die Opfer katastrophal“, äußerte sich jetzt der Freckenhorster Kreis im Bistum Münster zur aktuellen Missbrauchsstudie und der Vollversammlung der deutschen Bischöfe.

Der Missbrauch in den USA, Chile, Australien, Irland und Deutschland sei noch lange nicht das „Ende der Fahnenstange“, weitere Länder werden folgen, heißt es in der Mitteilung. Eine klare Analyse im Blick auf systemische Ursachen für den Missbrauch und dessen Ausmaß sei unerlässlich: „Wir stimmen Generalvikar Norbert Köster ausdrücklich zu, dass auf der Ebene der Bischofskonferenz intensiv über die Frage des Zölibats für Priester diskutiert werden muss“, teilten Ludger Funke und Ludger Ernsting, Sprecher des Kreises, mit.

Verpflichtender Zölibat führe zu „menschlichen Katastrophen“

Priester und Ordensleuten gelinge häufig ein erfüllendes „Alleinleben“: „Aber priesterliche Berufungen nur in verpflichtender Verbindung zu einer zölibatären Lebensweise zuzulassen, führt nicht selten zu menschlichen Katastrophen, einschließlich verquerer sexueller Entwicklung“.

Weitere Infos unter www.freckenhorster-kreis.de

Weiter fordert der Kreis, dass im Umgang mit Homosexualität seitens des kirchlichen Lehramtes „endlich die Erkenntnisse der Sexualforschung und weiterer Wissenschaften“ berücksichtig werden müssten: „Wir stellen fest, dass es in der amtlich angewandten Moraltheologie keinen Umgang mit menschlicher Sexualität gibt, der den Grundkonsens der Humanwissenschaften zu dieser Thematik auf- und annimmt. Eine deontologische Moraltheologie, wie sie nach wie vor von Rom postuliert wird, ist ein systemischer Baustein zu einem unnatürlichen Umgang mit Sexualität.“

In Bezug auf Klerikalismus, der in der Studie auch als Grund für Missbrauch aufgeführt wird, kritisieren die Sprecher des Freckenhorster Kreises den Umgang mit Frauen: „Die männerbündische Arroganz der Macht gegenüber Frauen als „Minder-Laien“ müsse beendet werden: „Wenn vom Evangelium und nicht zuletzt von den Menschenrechten ausgegangen wird, müssen den Frauen in der Kirche endlich in jeder Hinsicht die gleichen Rechte wie den Männern zuerkannt werden.“