Reformbewegung trifft sich am 2. und 3. Oktober

Freckenhorster Kreis plant Weckruf zum 50-jährigen Bestehen

Bei seiner Jahrestagung am 2. und 3. Oktober in der Landvolkshochschule in Warendorf-Freckenhorst, dem Ort seiner Gründung, begeht der Freckenhorster Kreis (FK) sein 50-jähriges Bestehen. Sprecher Pfarrer Ludger Funke kündigt aus diesem Anlass einen Weckruf für die Kirche an. Zudem erläutert er die Ziele der kirchlichen Reformbewegung.

Worum soll es in Ihrem Weckruf gehen?

Am 16. April ist der Freckenhorster Kreis 50 Jahre alt geworden. Mit einer Begegnungsveranstaltung am 11. April in Münster haben wir schon daran erinnert. Bei unserer Jahrestagung am 2. und 3. Oktober soll es um das Thema "50 Jahre Freckenhorster Kreis - Rückblick und Ausblick" gehen. Dabei geht es uns in erster Linie um den Ausblick, um die Zukunft unseres Hoffens und Glaubens. Das war stets und ist weiterhin das vorrangige Anliegen des Freckenhorster Kreises. Und darum soll es auch in dem geplanten "Weckruf" gehen, den die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Jahrestagung formulieren wollen.

Ludger Funke.
Der Priester Ludger Funke ist einer der Sprecher des Freckenhorster Kreises. | Foto: privat

Ich kann da nur die Klima-Aktivistin Greta Thunberg zitieren, die zu Beginn des UN-Klimagipfels am 23. September in New York gesagt hat: "Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie bislang?" Das gilt nicht nur fürs Klima, das gilt auch für unsere Gemeinden und für unsere Kirche.

Welche Themen waren früher für den Kreis wichtig, welche heute?

Der Freckenhorster Kreis wurde 1969 gegründet, um die befreienden Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils aufzugreifen und in den Gemeinden umzusetzen. Thematisiert wurden im Lauf der Jahre neben innerkirchlichen Themen immer häufiger gesellschaftspolitische Fragen. In den 70er-Jahren entstanden Kontakte zu Theologen und Basisgemeinden in Brasilien. Der FK öffnete sich für die Theologie der Befreiung. Mit anderen Reformgruppen wollen wir uns weiterhin für eine geschwisterliche Kirche und eine solidarische Gesellschaft einsetzen, die den Menschen und seine Lebenswirklichkeit in den Mittelpunkt stellt. Ein konkretes Beispiel: Die sogenannte Frauenfrage in unserer Kirche - auch und gerade in der Weltkirche - ist unseres Erachtens keine Frage der Frauen, sondern eine Frage der Menschenrechte.

Welche Erfolge haben Sie in den 50 Jahren erreicht?

Erfolg ist keiner der Namen Gottes. Aber angesichts dessen, was augenblicklich in der katholischen Kirche aufbricht, haben wir vielleicht doch manchesmal die Glut unter der Asche im Auge behalten. Wenn wir dann hin und wieder die Glut ein wenig angefacht haben und weiter anfachen, dann freut uns das. Der letzte Satz unserer Gründungserklärung von 1969 lautet: „Da der Kreis keinen Selbstzweck hat, wird er sich auflösen, wenn andere verantwortliche Gruppen in Diözese und Gemeinde sich der genannten Anliegen annehmen und sie wirksam vertreten." Von einem solchen Erfolg sind wir noch sehr weit entfernt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kreises?

Viele der Reformgruppen, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden sind, haben sich inzwischen aufgelöst. Unzählige engagierte Frauen und Männer haben resigniert. Mich persönlich bewegt in diesen Tagen die Lektüre eines neu erschienen Buches: Frédéric Martel: „Sodom - Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan." In dem Buch geht es um die Aufdeckung subtiler Machtverhältnisse im Vatikan und in unserer Kirche. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Lektüre eines Buches für eine Wirklichkeit in unserer Kirche dermaßen die Augen öffnen kann. Umso dankbarer bin ich den vielen Gesinnungsgenossinnen und -genossen in unserem Kreis, die mir den Blick für viele andere, ermutigende Wirklichkeiten in unserer Kirche offen gehalten haben. Dass das weiterhin im Freckenhorster Kreis geschieht, ist meine Hoffnung auf Zukunft hin.