Erstes Treffen in Münster

Freckenhorster Kreis will Netzwerk gegen Armut im Bistum Münster

Der Freckenhorster Kreis (FK) will 2020 zum „Jahr an der Seite der Armen“ machen. Bei einem Auftakttreffen mit Mitgliedern und Interessierten am Donnerstag im „Clemenstreff“ in Münster wurde eine Projektgruppe gebildet.

Teilnehmer des VorbereitungstreffensMitglieder des Freckenhorster Kreises und Interessierte trafen sich im „Clemenstreff" in Münster. | Foto: Karin Weglage

Ludger Funke, einer der beiden Sprecher des FK, fasste die Ergebnisse der ersten Zusammenkunft zusammen: Die Initiative wolle sich auf das Bistum Münster beschränken und dort die Armen vor Ort in den Blick nehmen. „Die Gemeinden müssen stärker diakonisch werden und die Diakonie gemeindlicher“, sagte er. Es gehe darum, mit Initiativen und Engagierten ein Netzwerk zu bilden.

Gemeinden sollen Arme in den Blick nehmen

Bis zum Herbst will die Gruppe konkrete Handlungsperspektiven ausarbeiten. Zudem sei es wichtig, immer wieder auf die Armut in den Städten und Gemeinden aufmerksam zu machen. Pfarrer Ludger Ernsting, ebenfalls Sprecher des FK,  sagte: „Für viele Aktivitäten stehen in der Kirche Mittel zur Verfügung. Doch für die diakonisch-caritative Arbeit gibt es bisher keine festen Schlüsselzuweisungen in den Pfarrgemeinden.“

Armut sei ein kirchliches Randthema, sie müsse in den Mittelpunkt gestellt werden, sagte Ernsting. Deswegen habe der FK Verbände, Gemeinden, die Bistumsleitung und den Caritasverband angeschrieben, sich an der Initiative für das Jahr 2020 zu beteiligen.

Gemischte Resonanz

Die Resonanz sei sehr unterschiedlich gewesen, sagte Ernsting. Der Priesterrat habe seine Teilnahme signalisiert, die Caritas habe überhaupt nicht geantwortet. Die Bistumsleitung wolle 2020 ein eigenes Thema setzen. Lisa Rotert, Geschäftsführerin des Diözesanrats und Diözesankomitees, war zu der Zusammenkunft in den „Clemenstreff“ gekommen.

In einem kurzen Impuls hatte Jochen Reidegeld, stellvertretender Generalvikar im Bistum Münster, betont, dass die Kirche Strukturveränderungen brauche, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. „Die Kirchengemeinden zeigen sich insgesamt verschlossen gegenüber Flüchtlingen“, sagte er. Es gebe zwar viele engagierte Einzelpersonen, es fehle aber der Schulterschluss der Vielen mit den Armen und Bedürftigen.

„Wir sind eine Mittelstandskirche“

„Wir sind zu einer Mittelstandskirche geworden“, sagte Reidegeld. Dies stecke in der DNA der Kirche, seitdem sie sich im Mittelalter zur Staatsreligion entwickelt habe. „Vom fürstbischöflichen Gehabe hat sie sich bis heute zumindest in ihrer äußeren Gestalt nicht gelöst.“ Reidegeld forderte eine Rückbesinnung auf das Evangelium und auf Jesu Einsatz für die Kranken und Bedürftigen.

Ulrich Thien, viele  Jahrzehnte Experte für soziale Fragen beim Diözesan-Caritasverband Münster, wies darauf hin, dass Papst Franziskus 2013 in seinem Schreiben„Evangelii Gaudium“ die Armut als Menschenrechtsverletzung angeprangert hat. Schon das Heilige Jahr 2000 sei als Jahr an der Seite der Armen deklariert worden. „Es gibt also reichlich Grundsatzpapiere, es fehlt jedoch die Umsetzung in der pastoralen Wirklichkeit“, kritisierte Thien. Angebote wie der „Clemenstreff“ für Obdachlose blieben nur punktuelle Hilfe, wenn nicht der Wille in Kirche und Politik bestehe, Maßnahmen gegen die Altersarmut, Wohnungsnot und Hartz IV zu forcieren.