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Sie machen sich ab Mitte Juli auf den Weg, um einen Freiwilligendienst über das Bistum Münster zu absolvieren. Zur Vorbereitung gehört viel Mut.
Der erste Schritt und das Loslassen kosten Überwindung. Unten stehen die anderen und schauen nach oben, feuern an, sprechen Mut zu. Oben wackelt die Brücke. Und irgendwo dazwischen stehen Kilian und Dillon und müssen sich entscheiden: weitergehen oder umdrehen.
Im Hochseilgarten in Dülmen im Kreis Coesfeld geht es an diesem Tag nicht nur um Höhe. Es geht darum, die eigene Komfortzone zu verlassen. Genau das steht für 17 junge Frauen und Männer, die unter anderem aus Münster, Südlohn, Senden, Warendorf, Cloppenburg und Altenberge kommen, ohnehin kurz bevor. In wenigen Wochen brechen sie auf zu einem Jahr im Ausland, weit weg von zuhause, von Gewohntem, von Sicherheiten.
Freiwilligendienst erfordert Mut
Frischgebackene Abiturientinnen und Abiturienten sind es, die sich für den Freiwilligendienst im Ausland im Rahmen des Programms „weltwärts“ entschieden haben. Sie werden in Projekten des Bistums Münster mitarbeiten, in Namibia, Tansania, Uganda, Ruanda, Ghana, Mexiko und der Dominikanischen Republik. Ein Schritt, der Mut erfordert und auf den sie in zwei Seminaren durch das Bistum vorbereitet werden.
„In diesem sicheren Umfeld habt ihr heute die Möglichkeit, über euch hinauszugehen“, sagt Hochseilgartentrainer Frank Peters. „Ihr könnt ausprobieren, wie ihr mit Herausforderungen umgeht, die euch auch im Freiwilligendienst begegnen werden.“
Zur Vorbereitung geht es in die Höhe
Ein Seil, ein Gurt, ein Team, das sichert. Viel mehr ist es nicht, worauf sich die jungen Menschen verlassen können. Und doch passiert genau hier etwas: Vertrauen entsteht. In sich selbst, aber auch in die Gruppe. Traditionell gehört dieser Tag im Hochseilgarten zur Vorbereitung dazu. „Die Gruppe lernt sich durch das gemeinsame Tun kennen und baut Vertrauen auf“, sagt Franziska Barthelt, die die Freiwilligen begleitet. Sie weiß, wovon sie spricht. Vor 20 Jahren war sie selbst als Freiwillige in Tansania, mit ähnlichen Gefühlen, mit ähnlicher Unsicherheit.
Während ein Teil der Gruppe noch mitten in den Abiturklausuren steckt, wachsen die anderen hier an den Stationen über sich hinaus. Schritt für Schritt. Manchmal zögernd, manchmal entschlossen. Immer wieder mit Blick nach unten, wo die anderen stehen und ermutigen.
Die Brücke schwankt
Kilian und Dillon gehen weiter. Die Brücke schwankt mit jedem Schritt stärker, die Knie werden weich. Doch sie lachen, rufen einander etwas zu, halten kurz inne und setzen dann doch den nächsten Fuß nach vorn. Unten loben die anderen verbal. Klatschen ist aus Sicherheitsgründen verboten, denn die Hände müssen immer an den Seilen bleiben.
Als die beiden jungen Männer schließlich wieder festen Boden unter den Füßen spüren, sind sie erleichtert und stolz. Ein wenig verschwitzt stehen sie da, grinsen, atmen durch. Sie haben es geschafft.
Viele Bewerbungen für das Programm des Bistums Münster
Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das sie mitnehmen werden, wenn sie ins Flugzeug steigen. Dieses Wissen, dass Unsicherheit dazugehört. Dass es wackeln darf. Und dass man trotzdem weitergehen kann.
„Wir sind froh, dass sich auch in diesem besonderen Jahr 17 junge Menschen auf den Weg machen“, sagt Barthelt. Ein kompletter Abiturjahrgang fällt durch die Umstellung von G8 auf G9 in Nordrhein-Westfalen weg. Für viele Organisationen ist das ein Problem. Dass es hier anders ist, hat auch mit persönlichem Engagement zu tun. Jonas Rommen, der sich als Freiwilliger in Mexiko engagiert hat, hat seine Begeisterung an zahlreichen Schulen und auf Messen weitergegeben. Offensichtlich mit Wirkung.
„Wir hatten noch nie so viele Bewerbungen von jungen Männern“, sagt Barthelt. „Und wir sehen, wie wichtig persönliche Begegnungen sind.“ Fast die Hälfte der jetzigen Freiwilligen hat sich durch diese Gespräche für eine Bewerbung entschieden.