Lob aus Deutschland und Äthiopien – auch von Hilfswerken

Friedensnobelpreis für Abiy Ahmed – Kirche begrüßt Entscheidung

Katholische Bischöfe und Hilfswerke in Deutschland sowie äthiopische Kirchenvertreter begrüßen die Vergabe des Friedensnobelpreises an Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed. Für die Deutsche Bischofskonferenz gratulierte der für Flüchtlingsfragen zuständige Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Er erinnerte an seinen Besuch in Äthiopien vor wenigen Monaten. Dort habe er feststellen können, „wie komplex die Situation ist“. Er habe aber auch „die großen Erwartungen gespürt, die viele in Ministerpräsident Abiy Ahmed setzen und die Hoffnung der Bevölkerung, dass das Land auf einen guten Weg kommt“.

Der für die Hilfswerke Misereor und Caritas zuständige Freiburger Erzbischof Stephan Burger sagte, bei einem Besuch von Hilfsprojekten in Äthiopien habe er ganz intensiv erlebt, „wie wichtig der Friede zwischen den Nachbarvölkern für die Menschen dort ist“. Er verwies auf die Öffnung der Grenze zu Eritrea, die ihn an den Mauerfall in Deutschland erinnert habe.

Erzbischof Burger: Kirche will Beitrag zum Frieden leisten

Die große Hoffnung der Menschen diesseits und jenseits der Grenze zeige „überdeutlich, dass sich die Zukunft nur im Miteinander und nicht im Gegeneinander gestalten lässt“. Alles, was diesen Frieden voranbringe, könne er nur „ausdrücklich begrüßen und unterstützen. Und die Kirche will dazu ihren Beitrag mit ihren Mitteln und Möglichkeiten leisten.“

„Wir Äthiopier sind alle sehr glücklich über die Vergabe des Friedensnobelpreises an Abiy Ahmed. Seine Kernbotschaft ist, dass Einheit in Vielfalt möglich ist“, zitierte das Hilfswerk Missio München Pater Petros Berga, einen engen Mitarbeiter von Kardinal Berhaneyesus Souraphiel in Addis Abeba. Ihn hatte Ahmed an die Spitze einer nationalen Kommission für Frieden und Versöhnung berufen.

Freude in Äthiopien

Dem Präsidenten sei es gelungen, die Streitigkeiten zwischen den Parteien zu befrieden, indem er sie an einen Tisch gebracht habe. Wo andere mit Waffen ihre Interessen verfolgten, gehe er den Weg des Ausgleichs und Dialogs. Die nächste große Herausforderung sei die kommende Wahl. Wenn sie demokratisch und nach internationalen Standards verlaufe, könne Äthiopien ein Beispiel für ganz Afrika sein.

Der Münchner Missio-Präsident Wolfgang Huber erklärte, der Nobelpreis belohne die mutige Friedensarbeit des Regierungschefs. Jetzt gelte es, ihn weiter zu unterstützen, denn gerade die Situation in der Grenzregion zu Eritrea sei nach wie vor schwierig.

Missio: Kirche hat Aussöhnung mitgetragen

Auch Dirk Bingener, der Präsident von Missio Aachen, begrüßte die Wahl des Nobelpreiskomitees als „gute Entscheidung und gute Nachricht für ganz Afrika“. Sie bedeute auch eine Anerkennung für die kleine katholische Kirche, die den Aussöhnungskurs immer begleitet und unterstützt habe.

Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, nannte die Auszeichnung „ein großes Hoffnungszeichen für viele Menschen, die nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent unter Kriegen und Repression leiden". Ahmeds mutiges Handeln verdiene Unterstützung, auch wenn viele Probleme in Äthiopien noch nicht gelöst seien.

Misereor: Auch Lage in Eritrea beachten

Spiegel nannte die Preisverleihung auch eine „Ermahnung an die Weltgemeinschaft und die Regierung im Nachbarstaat Eritrea, die unbändige Hoffnung und Sehnsucht der Menschen auf friedvollen Wandel auch in ihrem Land nicht zu vergessen“. Dort weise die Haltung von Präsident Afewerki bislang in die gegenteilige Richtung, auch gegenüber Partnerorganisationen von Misereor.