Franz kleine Holthaus aus Lohne will weiter Brücken bauen

Früher Gitarren-Rock für Peter Maffay - heute für die KAB

Dieses Lied singt er bei jedem Auftritt: „Über sieben Brücken musst du gehen“. Franz kleine Holthaus lächelt und nickt. Es ist sein Lieblingslied, mit Abstand. „Das Stück ist so schön!“, schwärmt der 73-Jährige und meint nicht nur die Melodie. Meist spricht er deshalb auch noch ein paar erklärende Sätze ins Mikrophon: „Dass es wichtig ist, Brücken zu Menschen zu bauen, denen es nicht so gut geht.“ Auch mit Musik.

Wer Franz kleine Holthaus zuhört, der spürt schnell, wie ernst er das mit dem Brücken-Bauen meint. Schon zweimal stand er jetzt dienstags mit seiner Gitarre vorm St.-Elisabeth-Altenheim seiner Heimatstadt Lohne. „Hofkonzerte“ sollen den wegen Corona abgeschottet lebenden Senioren etwas Freude bringen. Mitmachen stand für ihn außer Frage. „Natürlich bin ich dabei!“

Für Senioren spielt er auch mal Schlager

Für seine Version von „Ännchen von Tharau“ gab es ein Extra-Dankeschön von einer Bewohnerin. Bei „Fiesta Mexicana“, „Ein Schiff wird kommen“ und „Weiße Rosen aus Athen“ haben viele mitgesungen, zur großen Freude des Hobby-Musikers. Dabei gehören Schlager eigentlich nicht zu seinem Standard-Repertoire.

Dann schon eher Rock- und Popmusik oder irische Sachen. Die haben ihn in den vergangenen 60 Jahren am meisten geprägt. Einige Stücke könnte er immer noch im Schlaf mitspielen: von Bands wie „Deep Purple“, „Status Quo“ oder „Black Sabath“ zum Beispiel.

Seit 1990 nur noch für soziale Zwecke

Franz kleine Holthaus steht immer noch regelmäßig auf der Bühne. Allerdings nicht mehr wie früher, um sich Geld dazu zu verdienen. Seit einigen Jahren tritt er ausschließlich für soziale Projekte auf. Zuerst mit „Fair Play“. Hans Georg Niesel, ehemaliger Bürgermeister von Lohne und selbst Musiker, hatte den Anstoß dazu gegeben. Anfangs gingen die Einnahmen zum Beispiel an „Menschen für Menschen“, die Hilfsaktion des 2014 verstorbenen Schauspielers Karlheinz Böhm, oder an die Litauenhilfe der Malteser.

Aber der Erfolg wurde zum Problem. Aus den verabredeten acht Auftritten pro Jahr wurden immer mehr. Als geschäftsführender Gesellschafter einer Kunststoff-Firma war Franz kleine Holthaus viel im Ausland unterwegs, in Amerika zum Beispiel. Manchmal landete er nach einer Geschäftsreise in der Frühe in Deutschland und stand abends schon wieder auf irgendeiner Bühne. „Das wurde mir auf die Dauer zu viel.“

Früher hat er mit Musik gutes Geld verdient

Schließlich war er da schon über 60 und nicht mehr der junge Gitarrist und Sänger früherer Tage. Plakate in seiner Gartenhütte erzählen von Auftritten mit Peter Maffay, Juliane Werding oder Michael Holm. „Als die in den Siebzigerjahren zu Gastspielen in unsere Region kamen, hatten sie noch keine eigene Band.“ Eine Truppe aus der Gegend musste aushelfen.

Seine erste eigene Musikgruppe hatte er mit 15 Jahren. Die „Saints“ (zu Deutsch: die „Heiligen“) spielten Musik zum „Tanztee“, von fünf bis zehn Uhr auf den Festsälen in Dorkneipen. Bei den Eltern war die englische Popmusik verpönt, die Jugend kam in Scharen.

Mit „Albatross“ unterwegs

Richtig Geld zu verdienen gab es dann später mit „Albatross“. „Wir waren als Top-40-Band für einige Jahre in ganz Ostwestfalen und Niedersachsen unterwegs“ erinnert sich Franz kleine Holthaus. Sechs Musiker, zwei Roadies und Lkw für Instrumente und Lautsprecher. „Eine wilde Zeit, anstrengend, aber schön.“

Jahrzehnte später, bei den ersten Proben von „Fair Play“ zeigte sich: Er hatte die Stücke noch drauf. Egal, ob „Nowhere Man“ von den Beatles oder „Help me Rhonda“ von den Beach Boys. Alles kein Problem.

„(G)Oldies“ und „Klangklör“

Mittlerweile ist Franz kleine Holthaus noch für zwei Wohltätigkeits-Musikprojekte aktiv. Mit den „(G)Oldies“ tritt er auf Stadtfesten oder privaten Feiern auf. Das andere heißt „Klangklör“ und verbindet plattdeutsche Lieder und Lesungen.

Sämtliche Einnahmen fließen an die Hondurashilfe der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Oldenburger Land. Die unterstützt Frauen, die in Honduras mit kleinen Unternehmen ihre Familien durchzubringen versuchen. Franz kleine Holthaus war mehrfach selbst dort, ist beeindruckt von den Ergebnissen und dem Einsatz der Helfer. Und er ist weiter überzeugt davon, dass Musik Brücken bauen kann.