Porträt des ehemaligen Erzbischofs von Freiburg

Früherer Bischofskonferenz-Vorsitzender Zollitsch wird 80

Jahrelang stand Robert Zollitsch in der ersten Reihe: Musste Antworten finden auf Priestermangel und Missbrauchskrise. 2014 gab der Freiburger Erzbischof seine Leitungsaufgaben ab. „Ich kann jetzt die Freiheiten meines Ruhestands genießen und gleichzeitig weiter für Gottesdienste oder Vorträge im Bistum unterwegs sein“, so Zollitsch, der am Donnerstag 80 Jahre alt wird.

Im Blick auf die aktuellen Flüchtlings-Debatten sorgt sich der gebürtige Donauschwabe um die Einheit des Friedensprojekts Europäische Union. Persönlich engagierte er sich für die Aussöhnung von Serben und ehemaligen Heimatvertriebenen.

Zeuge eines Mordes, Flüchtling, Vertriebener

Geboren am 9. August 1938 in Filipovo im ehemaligen Jugoslawien, musste er als Kind zusehen, wie Tito-Partisanen im November 1944 seinen Bruder und 200 weitere Dorfbewohner ermordeten. „Ich habe die schlimmen Erfahrungen von Krieg, Flucht und Vertreibung machen müssen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn bewaffnete Soldaten Mütter mit ihren Kindern zwingen wollen, auf einen Lastwagen zu steigen, um ins Lager deportiert zu werden. Und ich weiß auch, was es bedeutet, sich in fremder Umgebung eine neue Existenz aufbauen zu müssen“, sagte er später.

Mit seinen Eltern floh Zollitsch nach Mannheim und dachte zunächst über ein Literatur- oder Geschichtsstudium nach. Die Berufung zum Priester war aber stärker. „Ich wollte anderen Menschen helfen, im Glauben ein sinnvolles Leben zu führen“, sagt er rückblickend. Seiner Liebe zur Literatur, etwa zu Heinrich Böll und Günther Grass, blieb Zollitsch immer treu.

An die Spitze der Bischofskonferenz

20 Jahre lang war Zollitsch Personalchef des Erzbistums Freiburg, bis er 2003, mit 64, überraschend zum Bischof ernannt wurde. Auch als Chef des Erzbistums erarbeitete er sich rasch einen guten Ruf als Organisator, der über die Bistumsgrenzen hinaus wirkte: Zollitsch übernahm auch den Posten des Finanzchefs im Verband der Diözesen.

2008 wählten ihn die deutschen Bischöfe zum Vorsitzenden ihrer Konferenz, nachdem Kardinal Karl Lehmann aus gesundheitlichen Gründen von dem Amt zurückgetreten war. Zollitsch warb dafür, dem Priestermangel und den sinkenden Katholikenzahlen durch eine stärkere Einbeziehung von Laien in der Seelsorge zu begegnen: „Kirchliche Zukunft kann es nur in der Gemeinschaft aller in der Seelsorge aktiven Gruppen geben.“

Streiter für christliche Werte in der Gesellschaft

Auch kämpfte er darum, christliche Werte als Grundlage gesellschaftspolitischer Entscheidungen zu wahren. „Christen dürfen sich nicht verstecken, sondern müssen die Gesellschaft mitgestalten. Antworten geben auf drängende Fragen wie jene nach der Bewahrung der Schöpfung oder der wachsenden sozialen Ungleichheit.“

Innerkirchlich war er Bischofskonferenz-Vorsitzender in bewegten Zeiten: So sorgte Papst Benedikt XVI. 2009 für Aufsehen, indem er auf die ultrakonservative Piusbruderschaft zuging. Als bekannt wurde, dass einer von deren Bischöfen den Holocaust leugnet, distanzierte sich Zollitsch von der Bruderschaft und verteidigte zugleich das Ansinnen des Papstes, zur kirchlichen Einheit mit der Splittergruppe zurückzukommen.

Die Zeit des Missbrauchsskandals

Und Zollitsch musste auf die Missbrauchsfälle reagieren, die ab Anfang 2010 bekannt wurden. Unter seiner Führung verabschiedeten die Bischöfe nach zähem Ringen einheitliche Leitlinien zur Vorbeugung und zur Reaktion auf Verdachtsfälle.

Seinen Geburtstag am Donnerstag will er im engsten Familien- und Freundeskreis feiern. Einige Tage später, am Feiertag Mariä Himmelfahrt, sind dann Weggefährten zum Festgottesdienst ins Freiburger Münster eingeladen.