Das Pelikanhaus am Clemenshospital sucht Klein- und Großspender

Fundraiserin baut in Münster ein Haus für Eltern schwerstkranker Kinder

Sie ist die Frau für die Mittel und Ressourcen: Seit zweieinhalb Jahren leitet Martina Klein die Abteilung Fundraising bei den Alexianern in Münster-Amelsbüren. Mit ihrem Team realisiert sie Projekte, Gebäude und Begegnungen, die außerhalb des Etats der  jeweiligen Einrichtung liegen und sonst nicht zustandekommen würden. In Münster, Berlin, Köln und bundesweit in Regionen, in denen die Alexianer aktiv sind. Für Altenheime, Krankenhäuser, psychiatrische und soziale Einrichtungen der Alexianer.

Die promovierte His­torikerin und Sozialwissenschaftlerin sucht ständig nach Kooperationspartnern,  Sponsoren, Groß- und Kleinspendern, Stiftern und Projektpaten. Eine Aufgabe, die Energie, Unermüdlichkeit und Offenheit für Menschen unterschiedlicher Couleur verlangt. Zudem viel Kreativität. Es geht ihr um Vorhaben, die „bewusst über das Thema Geld hinausgehen“, die die Situation von Menschen nachhaltig verbessern und die zuweilen auch etwas aus der Reihe tanzen.

Banker arbeiten mit Forensik-Patienten

So hat sie Banker aus Müns­ter mit Forensik-Patienten aus Amelsbüren zusammengebracht. Gemeinsam haben sie Schweine-Koben im umzäunten Freigelände der Christophorus-Klinik gebaut. Die stehen jetzt im tiertherapeutischen Bereich der Einrichtung, in der psychisch kranke und intelligenzgeminderte Straftäter hinter hohen Mauern sicherungsverwahrt untergebracht sind.


Pelikanhaus Münster.
Anja und Bernd Eggenstein unterstützen das geplante Pelikanhaus. Ihre zu früh geborenen Zwillige Anton und Klara lagen wochenlang im Krankenhaus. | Foto: Markus Hausschild

Die Bankangestellten haben die Koben nicht nur finanziert, sondern selbst Hand anlegt. „Gib mir mal das Werkzeug rüber!“ – „Kannst du hier festhalten?“ Solche Sätze hat Klein gehört, als sie die Arbeiten beobachtete. „Einen Tag haben die Banker vergessen, wo sie sind, und die Patienten ein Stück Normalität erlebt“, freut sich die Fundraiserin.

Kostenloser Haarschnitt für Obdachlose

2019 hat Klein zusammen mit der Friseur-Innung im Treff für Wohnungslose an der Clemenskirche in Münster einen Haarschneide-Termin installiert.  Waschen, Legen, Föhnen – Menschen von der Straße können sich dort kostenlos von Profis frisieren lassen. Jeden letzten Montag im Monat gilt das Angebot. Die Kunden  müssen sich anmelden. „Das gibt ihnen Struktur im Tagesablauf“, erklärt Klein.

Auch ein Fußballspiel zwischen den Alex-Kickern der  Behinderten-Werkstätten und Spielern des Bundestags in ‚Berlin hat sie organisiert. Anderen Menschen mit Behinderungen ermöglichte sie – erstmals in ihrem Leben – einen einwöchigen Finca-Aufenthalt auf Mallorca.

Pelikanhaus für Eltern schwerstkranker Kinder

Während solche Ideen bereits umgesetzt wurden, ist die Spenden-Akquise für das neue Angehörigenhaus am Clemenshospital in Müns­ter noch voll im Gang. Pelikanhaus soll es heißen, nach dem Vogel im Wappen der Alexianer-Brüdergemeinschaft. Er steht für Nächstenliebe, weil er dem Mythos nach seinen Nachwuchs mit eigenem Blut nährt.

In dem Haus sollen Mütter und Väter künftig unkomplizierter wohnen können, während ihr schwerstkrankes Kind in der Klinik behandelt wird. Viele der kleinen Patienten sind durch einem Unfall oder Sauerstoffmangel neurologisch geschädigt oder leiden unter einer chronischen Krankheit.

Wochenlange Behandlung der Kinder im Krankenhaus

Manche Kinder müssten Wochen und Monate das Krankenbett hüten, andere kämen in regelmäßigen Abständen zur Behandlung. „Das Clemenshospital ist außerdem eine von drei Kliniken in Deutschland, die eine Kinderneurologische Frührehabilitation anbietet“, erläutert Klein.

Wenn die Begleitung des Kindes durch einen Elternteil – oft die Mutter – medizinisch indiziert ist, übernehme die Krankenkasse die Unterbringungs­kos­ten von 45 Euro pro Nacht. Kommt der Papa am Wochenende nach, gebe es keine solche Unterstützung. „Wir verweigern den Papas natürlich nicht die Unterbringung und nehmen für jede weitere Begleitperson fünf Euro pro Nacht.“ Das sei mehr als symbolischer Wert zu verstehen, sagt Klein.

Eltern sind extrem belastet

Das jetzige Angehörigen-Haus besteht seit sechs Jahren und ist im ehemaligen Pfarrhaus der evangelischen Gnadenkirche untergebracht. Die acht kleinen Zimmer verfügten nur über Einzelbetten. Wenn notwendig, werde ein weiteres Bett behelfsmäßig dazugeschoben. Die Bewohner teilten sich die beiden Badezimmer und die Küche.  Das Haus sei alt und für diesen Zweck eigentlich nicht vorgesehen. „Es hat keinen Fahrstuhl, ist nicht behindertengerecht, hat nicht einmal WLAN“, so Klein.

„Es geht nicht darum, goldene Wasserhähne zu installieren, sondern einen ordentlichen Standard zu ermöglichen.“ Schon jetzt könnte der Platzbedarf nicht erfüllt werden. „Deswegen arbeiten wir mit kleinen Pensionen zusammen.“ Für Klein sind das auf Dauer menschlich unzumut­bare Zustände. „Die Eltern der schwerkranken Kinder sind ohnehin extrem belastet.“

Platz für Väter und Geschwister

Das Pelikanhaus soll künftig die Unterbringungsprobleme lösen: mit zwölf geräumigen und behindertengerechten Apartments, die mehrere Schlafmöglichkeiten bieten und ein eigenes Badezimmer haben. Eine Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsräume, ein Toberaum für Geschwisterkinder und ein Fitnessraum für Erwachsene sind ebenfalls vorgesehen. Im Garten sind Plätze zum Rückzug und zum Grillen geplant. Von Ehrenamtlichen organisierte Freizeit-Angebote sollen die Eltern der kranken Kinder zusätzlich entlasten.

„1,3 Millionen Euro haben wir bereits gesammelt“, sagt Klein. „Auch Dank einer Viertelmillion, die ein Einzelspender gegeben hat, der noch anonym bleiben möchte.“ Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 2,8 Millionen Euro. Der Baubeginn ist allerdings ungewiss. „Wir brauchen eine Zwei vor dem Komma, um starten zu können“, sagt die Fundraiserin.

Klein- und Großspender gesucht

Sie hat Service-Clubs, Stiftungen, Unternehmen, die Friseur-Innung und die Westfälischen Landfrauen mit ins Boot geholt. Das  reiche aber noch nicht. „Wir brauchen kleine Spenden: 20, 50, 100 Euro“, sagt sie. Gerade diese Spendergruppe sei auch nach der Fertigstellung des Hauses wichtig, um zu helfen, die laufenden Betriebskosten zu tragen.

„Wir brauchen aber auch Großspender. Je länger es dauert, bis wir mit dem Pelikanhaus beginnen können, umso höher werden die Baukosten“, erklärt Klein. Die Bauzeit schätzt sie auf 16 Monate.

Führungen für Geldgeber

Eine Kalt-Akquise von Spenden-Geldern lehnt sie aber ab. „Wir schreiben keine Briefe, sondern lassen uns von guten Menschen zu guten Menschen  empfehlen.“ Interessierte Spender könnten das alte Angehörigenhaus und die Pläne für das Pelikanhaus bei Führungen persönlich kennenlernen.

Westfälische Landfrauen haben 2000 Euro zusammengebracht. Zurzeit werden bei Bäckern Pelikanhaus-Plätzchen verkauft. Klein zieht kreativ viele Register. Ihr Wunsch ist es, dass der Neubau möglichst noch in diesem Jahr beginnen kann.