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Michael Bönte zum Stellenwert der Europameisterschaft

Fußball-EM trotz Corona: Es ist erlaubt zu feiern!

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Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Und schon scheinen viele ihren Schrecken bereits vergessen zu haben. Wo die Möglichkeit besteht, wird wieder fleißig gefeiert. Auch die Fußball-Europameisterschaft ist für die Fans ein solches Fest. Ist das in Ordnung? Absolut, meint Reporter Michael Bönte. Und gerade jetzt wichtig.

Die Fußball-Europameisterschaft beginnt und damit eigentlich ein fest eingeplanter sportlicher Höhepunkt für viele. Eigentlich. Denn vor dem Hintergrund der Ereignisse in den vergangenen Monaten scheint das Großereignis in seiner Bedeutung enorm zu schrumpfen. Wie können wir ein Fußballfest feiern, wenn die Pandemie weltweit Millionen Tote gefordert hat und noch viele fordern wird? Wir sind noch mittendrin im Kampf gegen Corona – auch wenn sich die Lage in Deutschland und Europa derzeit massiv zu entspannen scheint.

Die Europameisterschaft ist in der Pandemie bereits verschoben worden. Ursprünglich im Sommer 2020 geplant, musste sie wegen des Infektionsgeschehens in dieses Jahr verlegt werden. An eine Austragung war damals nicht zu denken – wegen der Gefahr für Leib und Leben der Spieler und Zuschauer. Die wird es 2021 in diesem Maß nicht mehr geben.

Keine Verharmlosung, wiederkehrende Lebensfreude

Aber ist die Austragung auch moralisch tragbar? Ja, auch wenn das Ganze etwas vom Tanzen auf Gräbern hat. Ein Bild, das in Literatur und Kunst eine lange Geschichte hat: Immer dann, wenn sich den Menschen das Leben in seinen tiefsten Abgründen gezeigt hat. Ob in persönlichen Tragödien, in Kriegen oder Naturkatastrophen. Oder wie jetzt in einer Pandemie. Es geht dabei nicht darum, den Schrecken zu verharmlosen oder zu vergessen, sondern trotz Betroffenheit und Trauer einen Weg zurück zur Lebensfreude zu finden.

Klingt ein wenig pathetisch für eine Fußball-Europameisterschaft. Aber genau das ist sie für die vielen Fans: Ein weiterer Schritt in Richtung eines Lebensgenusses, der ihnen lange Zeit verwehrt war. Ob allein daheim, mit Freunden in kleiner Gruppe oder, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, auch in größerer Gruppe – es darf wieder ein wenig gefeiert werden. Es ist ein weiterer kleiner Befreiungsschlag in der Pandemie, wie es der erste Sprung ins Wasser des Freibads ist, das erste Treffen im Café oder der erste Urlaubstag an der See. Das alles ist genauso profan wie ein Fußballspiel, aber gerade jetzt so wichtig für die Seele. Lasst die Fußballfans also feiern.

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