Mexikanische Freiwilligendienstler im Bistum Münster sorgen sich um ihre Landsleute

„Ganz Mexiko ist sauer auf Trump“

„Zuerst haben die Mexikaner aufgeregt über die Mauer diskutiert, die Donald Trump zwischen unseren beiden Ländern bauen will. Jetzt ist ganz Mexiko richtig sauer.“ Das sagt Ana Silvia Cruz Martín über die Politik des neuen US-Präsidenten. Die 27-jährige Chemie-Ingenieurin stammt aus Ixmiquilpan, einer Stadt in Münsters mexikanischer Partnerdiözese Tula. Zurzeit betreut sie während eines freiwilligen sozialen Jahres in der St.-Elisabeth-Schule in Steinfurt behinderte Kinder. Mit der Familie, mit Freunden und Nachbarn in ihrem Heimatland hält sie aber täglich Kontakt.

„Die Mexikaner denken inzwischen nicht mehr an die Mauer. Sie denken jetzt an die Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent auf Benzin, Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Lebens“, berichtet sie. Insbesondere die Armen treffe es hart. Im Februar solle das Benzin noch teurer werden. „Die Leute haben Angst, die Preise nicht mehr bezahlen zu können und ihre Arbeit zu verlieren, wenn Trump Produktionsstandorte wie bei Ford nach den USA verlegt. Sie sind besorgt und sehr müde“, beschreibt Ana Silvia Cruz Martín die desaströse Stimmung in ihrem Heimatland.

Krise als Chance?

Auch Lei Yerbafria Cantera macht sich große Sorgen um seine Landsleute daheim. Donald Trump schaue mit seinem Motto, Amerika wieder groß zu machen, nur auf die Interessen der USA, kritisiert er. „Amerika ist aber ein ganzer Kontinent“, sagt der 28-Jährige, der gerade im Paulushof in Münster-Mecklenbeck als Freiwilliger Jugendliche betreut, mit ihnen töpfert, Fußball spielt oder in der Holzwerkstatt arbeitet.

Lei sieht in der Abgrenzungspolitik des US-Präsidenten auch eine Chance. „Unser Staatpräsident Enrique Peña Nieto soll weniger auf die USA schauen, sich stattdessen um Mexiko kümmern und dafür sorgen, dass das politische und ökonomische System in unserem Land endlich funktioniert.“ Lei hofft auch, dass die Staaten Südamerikas angesichts der Politik von Donald Trump näher zusammenrücken und es eine „bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa und China geben wird“.

Gegenseitige Abhängigkeit

„Mexiko braucht die USA und umgekehrt“, sagt Ana Silvia Cruz Martín und nennt die riesigen Ölvorkommen ihres Heimatlandes. Die USA seien auf das Rohöl aus Mexiko ebenso angewiesen wie auf den Handel mit Gemüse, Textilien oder anderen Materialien, meint sie. Hoffnung setzt Ana aber nicht auf die Regierung, sondern auf eine breite Protestbewegung, die sich in ihrem Land entwickeln müsse. „Viele Firmen werden ihre Auslandsvertretungen in Mexiko auflösen und in die USA verlegen, um hohe Importzölle zu umgehen“, befürchtet sie. Eine dauerhafte Lösung sieht sie, wenn es „eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Ländern gibt und Mexiko nicht mehr so abhängig ist von den Vereinigten Staaten“.

Ana Silvia Cruz Martín und Lei Yerbafria Cantera sind zwei von vier Mexikanern aus Münsters Partnerdiözese Tula, die während ihres zwölfmonatigen Einsatzes von den Freiwilligen Sozialen Diensten (FSD) im Bistum Münster begleitet werden. Sie leben in Gastfamilien, lernen Deutsch, engagieren sich in verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und stärken die Partnerschaft zwischen den beiden Bistümern.