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Caritas-Experte befürchtet Finanzprobleme für soziale Einrichtungen

Gaspreise und Pflegemangel: Oldenburgs Altenheime vor schwerer Krise

  • Die Lage in den Altenheimen und Sozialstationen im Oldenburger Land ist angespannt.
  • Die Pflegekräfte seien an der Belastungsgrenze, berichtet Caritas-Experte Bernhard Bruns.
  • Hinzu kommen explodierende Energiepreise und die Mehrkosten durch die allgemeine Inflation.
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Den Altenheimen und Sozialstationen im Oldenburger Land droht eine schwere Krise. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges steht ihnen das Wasser bis zum Hals. Davor warnt Bernhard Bruns, Referent für Altenhilfe beim Landes-Caritasverband für Oldenburg in Vechta. Im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ sagte er: „In den Belegschaften sind viele am Ende ihrer Kräfte.“

Deshalb setzt der Experte auch ein Fragezeichen hinter die Impfpflicht für Pflegeberufe, die ab dem 1. Oktober eine dritte Impfung vorschreibt, um als vollständig geimpft zu gelten. Er befürchte dadurch einen Personalschwund, der sich nicht auffangen lassen werde, sagt Bruns.

Generell hohe Impfquote in Altenheimen

In den oldenburgischen Altenheimen und Sozialstationen liege die Impfquote meist bei 95 Prozent, doch gebe es auch „Ausreißer“. Die geplante „einrichtungsbezogene“ Impfpflicht schaffe dort dann Probleme.

Aus welchen Gründen auch immer sich Angestellte gegen eine dritte Impfung entscheiden würden: „Viele sind am Ende ihrer Kräfte“, berichtet Bruns. „Die Impfpflicht kann dann das letzte Tröpfchen sein, das das Fass zum Überlaufen bringt – und sie gehen.“ Ersatz sei bei dem herrschenden Fachkräftemangel jedenfalls kaum zu finden.

Mehrkosten durch Corona und Ukraine-Krieg

Die Belegschaft sei durch Corona-Bestimmungen ohnehin zusätzlich belastet. So solle sie etwa die vorgeschriebenen Testnachweise für Besucher und Dienstleister selbst kontrollieren. Eine Kostenübernahme für zusätzliches Personal in diesem Bereich habe das Land Niedersachsen eingestellt, klagt Bruns. Solche Corona-bedingten Mehrkosten könnten die Einrichtungen nicht alleine stemmen.

Denn Altenheime und Sozialstationen stehen nach den Worten des Referenten ohnehin unter enormem Kostendruck aufgrund der Folgen des Ukraine-Krieges. Bruns berichtet von einem Altenheim, dessen Gasrechnung von 4.000 auf 14.000 Euro im Monat gestiegen sei. „Solche Summen haben Heime nicht einfach so in der Rücklage, sie sind existenzbedrohend.“ In der Folge müsse ein Heim solche Kosten über den Eigenanteil an die Bewohner weitergeben. Wenn die sich solche Preise nicht mehr leisten könnten, sei das Sozialamt gefragt.

Finanzieller Rettungsschirm wichtig

Bernhard Bruns, Referent für Altenhilfe beim Landescaritasverband für Oldenburg. | Foto: LCV
Bernhard Bruns, Referent für Altenhilfe beim Landescaritasverband für Oldenburg. | Foto: LCV

Bruns appellierte an den Staat, erneut wie beim ersten Corona-Lockdown im März 2020 einen „Pflege-Rettungsschirm“ aufzulegen. Ein Zuschuss des Bundes zu den Pflegekosten könne verhindern, dass Bewohner und Sozialhilfe die Lasten zu tragen hätten.

Bruns gab zudem zu bedenken, ob die Pflege nicht grundsätzlich unterfinanziert sei. An der Höhe der Pflegeversicherung lasse sich erkennen, welchen Wert die Gesellschaft alten Menschen zumesse.

Bernhard Bruns spricht als Geschäftsführer einer Arbeitsgemeinschaft für 28 Alten- und Pflegeheime, 21 Sozialstationen und 23 Tagespflegeeinrichtungen im Oldenburger Land.

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