SCHÖPFUNG

Klimaprotest – ja, aber bitte ohne Selbstjustiz und Selbstgerechtigkeit

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Klimaprotestler haben in Hamm gegen Gaskraftwerke demonstriert. So richtig das Ziel ist - manche Aktion geht gar nicht, meint Journalist Bernd Evers.

Im westfälischen Hamm haben viele hundert vorwiegend junge Leute vor wenigen Tagen an einem Klimacamp teilgenommen. Das Ziel der Zusammenkunft war, den Bau neuer Gaskraftwerke zu verhindern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wurde auf Flyern gebrandmarkt: Sie würge klimafreundliche Energien ab und treibe den Ausbau von fossilem Gas voran, hieß es.

Keine Frage: Die Ziele umweltbewegter Bürger sind richtig. Die Bewahrung der Schöpfung ist den Menschen als biblischer Auftrag anvertraut. Über den Weg dahin herrscht jedoch keine Einigkeit. Die Art und Weise, wie Aktivisten ihre Ziele verfolgen, ist umstritten. Man erinnere sich nur an die Straßenblockaden der Letzten Generation. Sprecherin Carla Hinrichs, die in Hamm anwesend war, nennt diese Aktionen bis heute „gewaltfrei“. Tatsächlich waren sie grenzüberschreitend. Der Protest wurde ausgerechnet auf dem Rücken Unbeteiligter ausgetragen. Für die im Stau stehenden Menschen gab es kein Entrinnen: Handwerker auf dem Weg zur Baustelle, Paketboten bei der Arbeit, auch Rettungswagen wurden ohne Unterschied blockiert. Die Letzte Generation wollte damit anderen Menschen ihren Willen aufzwingen – und erreichte damit nur das Gegenteil – Wut, Ärger und Ablehnung.

Übungen für den Widerstand

Der Autor
Der gebürtige Emmericher Bernd Evers (57) arbeitet als Nachrichtenredakteur bei der Tageszeitung „Die Glocke“ in Oelde.

Auch auf dem Camp in Hamm wurde dieser unheilvolle Weg in Teilen beschritten. In Übungen wurde den Teilnehmern beigebracht, wie sie im Rahmen von Protestaktionen möglichst großen Widerstand gegen Polizeibeamte leisten. In praktischem Unterricht lernten Aktivisten, wie sie Strommasten besteigen oder Zäune überwinden. Carla Hinrichs berichtete von ihren Erfahrungen mit Polizei und Justiz nach ihren vielfachen Blockadeaktionen. Die Schuld sieht die 29-Jährige, die sechs Jahre lang Jura studierte, nicht bei sich, sondern ausschließlich beim Staat, der – so der Untertitel ihres aktuellen Buches – „uns alle verrät“.

Dieser Weg der Selbstjustiz und Selbstgerechtigkeit führt nicht zusammen, er spaltet. Der Wissenschaftler Frederic Vester hat bereits im Jahr 1980 ein Spiel präsentiert, das die Komplexität des Umbaus der Gesellschaft hin zur Umweltfreundlichkeit deutlich macht. Die Wechselwirkungen sind komplex. Es geht um Punkte wie „Umweltbelastung“, „Lebensqualität“, „Produktion“, „Bevölkerungswachstum“, „Aufklärung“ und „Politik“. Alles hängt mit allem zusammen. Umsicht, Rücksichtnahme und Wertschätzung des Gegenübers sind entscheidend. Nur so kommen wir weiter.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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