GESELLSCHAFT

Pressefreiheit verpflichtet Medien auch, frei von Vorurteilen zu berichten

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„Kanzler Merz beim Katholikentag ausgebuht", titelten viele. BR-Journalist Christian Wölfel war dabei und blickt selbstkritisch auf die Medien.

Haben Sie zufällig den Auftritt von Friedrich Merz auf dem Katholikentag in Würzburg verfolgt? Oder nur wahrgenommen, was vielfach berichtet wurde? Merz auf dem Katholikentag ausgebuht – so oder so ähnlich lauteten viele Schlagzeilen, dazu ein kurzer Videoschnipsel aus einer einstündigen Veranstaltung. Und selbstredend war es wieder schlechte Kommunikation als der Bundeskanzler sagte, er würde derzeit seinen Kindern nicht raten, in die USA zu gehen. Und ja, das lässt sich gut für Social Media aufbereiten. Und ja, es klickt sicher gut.

Wenn man sich dagegen die Veranstaltung im Livestream angeschaut oder es gar in den überfüllten Saal geschafft hatte, dann mag man einen anderen Eindruck gehabt haben. Ich zumindest hatte ihn. Denn ich habe einen Kanzler erlebt, der nachdenklich war, der vielleicht nicht immer das gesagt hat, was die jugendlichen Fragestellenden sich erwartet hatten. Und es war ein Friedrich Merz zu beobachten, der seine Art zu kommunizieren selbstkritisch hinterfragt hat.

Zu schnell, zu hart geurteilt

Der Autor:
Christian Wölfel ist Redakteur in der Redaktion Religion und Orientierung des Bayerischen Rundfunks. Er absolvierte die katholische Journalistenschule ifp.

Hinterfragen wir Journalistinnen und Journalisten uns auch selbstkritisch? Ob wir nicht vielleicht manchmal zu schnell, zu hart, zu vernichtend urteilen – gerade wenn es um Politik geht? Stellen wir Politikerinnen und Politiker zu schnell in eine Ecke und geben ihnen keine Chance, sich zu korrigieren? Merz = schlechte Kommunikation. Ein Urteil, das keine Revision erlaubt? Der Weg von einem unbedachten Satz hin zur Verurteilung ist sehr kurz geworden, ein moralisches Urteil gern absolut.

Unabhängiger, gerade auch kritischer Journalismus ist essenziell für eine funktionierende Demokratie, ein nötiges Korrektiv, ein Scheinwerfer, der Ecken ausleuchtet, die andere ungern im Dunkeln lassen wollen. Das wussten die Väter und Mütter des Grundgesetzes, weshalb sie die Meinungs- und Pressefreiheit prominent in Artikel 5 festgeschrieben haben.

Doch dieses Recht ist auch Verpflichtung zu einem Journalismus, der frei ist – auch von Vorurteilen. Der sich mit keiner Sache gemeint macht außer mit den Werten des Grundgesetzes. Der keine eigene Agenda oder Mission hat. Das heißt nicht, auf Kritik zu verzichten. Aber nicht zu überziehen, Häme und Spott über die demokratischen Institutionen, ihre Vertreterinnen und Vertreter auszukippen. Sondern konstruktiv zu bleiben. Alles andere schadet der Demokratie. Und wenn die Demokratie stirbt, dann stirbt auch die Presse- und Meinungsfreiheit.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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