BISCHOFSKONFERENZ

Heiner Wilmer – einer, der miteinander um Entscheidungen ringt

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Die Wahl des Hildesheimer Bischofs zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz ist ein gutes Signal, meint Fabian Brand im Gastkommentar. Auch für Rom.

Wer genau hingehört hat, konnte die Parallelen erkennen: Am 1. September 2018, kurz nach seiner Weihe zum Bischof, betonte der neue Hildesheimer Oberhirte die Freude, die in Gott gründet und den Auftrag, das Evangelium mit dem eigenen Leben zu verkünden. Vor einigen Tagen hat Heiner Wilmer erneut auf diese Freude an Gott hingewiesen. Und nicht wenige waren erstaunt, dass der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) anfangs einen Vers aus dem Weihnachtsevangelium des Lukas zitierte.

Nun sind Bibelkunde und Frömmigkeit bei Weitem nicht alles, was ein DBK-Vorsitzender braucht. Aber es ist doch auch nicht unwichtig, als Bischof von Gott zu sprechen – gerade in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen vom Glauben abwenden.

Grenzen des Dialogs

Der Autor
Fabian Brand, geboren 1991 in Oberfranken, ist Privatdozent für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Zuvor war er als freier Autor und Journalist tätig, so etwa für die Herder Korrespondenz. Er studierte in Würzburg, dort 2021 Promotion zum Dr. Theol., im Mai 2025 Habilitation in Bochum.

Parallelen findet man auch zwischen Wilmer und Papst Leo XIV. Beide waren nicht nur Ordensobere und sind daher gut global vernetzt und multilingual aufgestellt, beide wurden gewählt, weil man ihnen zutraute, Brückenbauer zu sein. In einer Kirche, die immer mehr auseinanderzudriften scheint, ist es ihr Auftrag, zusammenzuführen, Kompromisse einzufädeln, Gesprächsmöglichkeiten offenzuhalten. 

Das wird nicht immer gelingen. Das jüngste Beispiel dafür sind die Dialogbemühungen mit der Piusbruderschaft, die allem Anschein nach krachend gescheitert sind. Und doch braucht es nach dem aufgeregten Pontifikat von Franziskus immer wieder Menschen, die diese Fähigkeit besitzen, unterschiedliche Positionen auszuhalten und Gemeinsamkeiten zu finden.

Heiner Wilmer bringt etwas sehr Entscheidendes für diese Aufgabe mit: Er gibt sich nicht mit dem Oberflächlichen zufrieden, er kratzt am Außen und konzentriert sich auf das Innere. Das zeigt nicht nur sein Buch „Gott ist nicht nett“, sondern auch seine Begeisterung für die jüdische Niederländerin Etty Hillesum (geboren 1914, gestorben 1943 in Auschwitz-Birkenau). 

Sich nicht auf das Erstbeste versteifen, vielmehr miteinander um Entscheidungen ringen: Für einen Vorsitzenden der DBK, sind das gute Voraussetzungen. Vor allem weil Spannungen innerhalb des Bischofskollegiums bleiben werden. Gerade hier wird es wichtig sein, einen Weg zu finden, den alle mitgehen können.

Und dafür muss Wilmer überzeugen können. Die Mitbrüder in der eigenen Konferenz, aber auch Rom. Inwiefern ihm das gelingen wird, könnte sich schon bald zeigen, wenn es um die Rekognition der Satzung für die Synodalkonferenz geht. Mit Leo XIV. trifft Wilmer auf einen Gleichgesinnten. Hoffentlich ist das hilfreich, um das Klima zwischen Deutschland und Rom zu verbessern.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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