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WM-Desaster und FIFA-Boss Infantino dreht frei: Peter Krawczack sagt, warum jetzt ein Fußballgott hilfreich wäre. Und Kloppo womöglich auch.
„Gibt es eigentlich einen Fußballgott?“ Diese Frage stellt sich nach der jüngsten Fußballweltmeisterschaft. Einer mit 104 Spielen aufgeblähten WM mit zur Bewährung ausgesetzten roten Karten. Einem Turnier, das eine enorme politische Einflussnahme erlebt hat. Einem Fußball-Fest, das zunehmend kommerzialisiert wird. Der Fußball droht seine Seele zu verlieren. FIFA-Boss Gianni Infantino plant nun sogar, WM-Anteile an private Investoren zu verkaufen. Wenn es doch einen Fußballgott geben sollte, dann möge er die Funktionäre in UEFA und FIFA ermutigen, Infantino zu stoppen.
Es war wieder keine gute WM für die deutsche Mannschaft. Noch trockneten die Tränen über das frühe Ausscheiden, da befand sich „Fußball-Deutschland“ fast gleichzeitig im erwartungsfrohen Unruhe-Zustand. Die Debatte um den Nachfolger von Julian Nagelsmann nahm fast prophetisch, messianische Züge an. Endlich wurde er nun im DFB Campus in Frankfurt präsentiert: Jürgen Klopp! Als „Normal One“ demütig in Liverpool gestartet. Auch in Frankfurt klingt Demut an, denn „es geht ja nicht um mich!“
Die Basis für alles
Der Autor
Peter Krawczack ist Leiter des Maxhauses, des katholischen Stadthauses in Düsseldorf. Nach Theologiestudium und Promotion über ein alttestamentliches Thema war er viele Jahre leitend im Generalvikariat in Köln tätig.
Hoffnungsträger Klopp ist gläubiger Christ. Jüngst ist die Biografie „Glaube - Liebe - Klopp“ des Sportjournalisten Michael Horeni erschienen. Demut sei für Klopp eine der zentralen Tugenden, ist dort zu lesen. Diese Fähigkeit habe ihm bei dramatischen und bitteren Niederlagen geholfen, Rückschläge als Ansporn zu nehmen. Seine Kraft nehme Klopp daraus, gläubiger Christ zu sein und eine fantastische Familie zu haben. „Das ist die Basis für alles!“
Ich möchte Jürgen Klopp die Demut nicht absprechen. Bei der Pressekonferenz war aber auch zu sehen, dass Klopp es genießt, im Fokus zu sein und wie er auf die Pauke haut. „Wer Jürgen holt, der kriegt ihn!“ Dieser Jürgen wirft den Journalisten vor, dass sie mit Julian nicht fair umgegangen sind. Sorry, aber das wirkt wenig glaubwürdig, hat er doch als TV-Experte dem damaligen Bundestrainer Nagelsmann sein „Noch“ (stellt er die Mannschaft auf) hinübergeschickt. Der neue Bundestrainer darf die Haltung der Demut noch mit Leben füllen.
Gesegnete Mission
Jürgen Klopp möchte einen leidenschaftlichen Fußball spielen, bei dem die Menschen nach dem Spiel sagen können: „Wow! Das war wirklich cool“. Ein erfolgreicher Fußball könnte auch ein Land verändern, so Klopp. Die Atmosphäre in den Stadien biete in schwierigen Zeiten eine Chance, „die müssen wir nutzen“.
Einen gläubigen Christen als Nationaltrainer zu wissen, ist nicht die schlechteste Voraussetzung. Kann aber dadurch schon der Fußball seine Seele zurückgewinnen? Wenn leidenschaftlicher Fußball wirklich ein Land positiv verändern kann, dann möge Klopps Mission gesegnet sein!
Dem DFB wäre zu wünschen, dass er nicht dem Irrtum erliegt, die Einstellung des Kult-Trainers Klopp mit seinem Team wäre schon ausreichend, um auf das WM-Aus zu reagieren.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.