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Noch nie hat die Kirche Frauen als vollwertig angesehen, meint Jutta Lutterbey von der KFD. Dabei könnte sie so viel von dem Verband lernen.
Veränderung ist gerade überall. In der Kirche, in der Gesellschaft – und auch in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Oft tut das ganz schön weh, weil Vertrautes verschwindet, weil Ungewissheit eben Angst macht. Aber manches macht auch richtig Mut – weil was Neues wachsen kann, weil wir Verantwortung übernehmen, weil Bewegung spürbar wird in Systemen, die so lange völlig unbeweglich erschienen.
Ich erlebe in unserem Verband, wie sehr uns dieser Wandel verändert. Wir sind nicht mehr dieselbe KFD wie vor zehn oder 20 Jahren. Aber wir haben uns auch geöffnet, sind politischer geworden, haben neue Themen aufgegriffen, Strukturen verändert und dazugelernt – und wir lernen weiter. Wir führen schwierige Gespräche – über Haltung und Zukunft und wofür wir stehen wollen. Manchmal sorgt das für Konflikte – aber daran merken wir, wie wichtig es ist, dass wir diesen Weg weitergehen. Zusammen üben wir, was es heißt, Veränderung zu wagen.
Freier, gerechter, menschlicher
Die Autorin:
Jutta Lutterbey aus Ibbenbüren ist seit 1992 Mitglied in der KFD, seit 1997 ehrenamtlich in Leitung der verschiedenen Ebenen, seit 2023 Vorsitzende des Diözesanverbandes Münster.
Wir haben gemerkt: wir sind eine feministische Stimme in einer Kirche, die Frauen noch nie als vollwertig angesehen hat, und in einer Welt, in der Frauenrechte wieder neu in Frage stehen. Feministisch zu sein bedeutet dabei für mich: Gegebenheiten in Frage zu stellen – beispielsweise in Bezug auf Care-Arbeit, Gender Pay Gap und Mental Load von Frauen. Wenn zum Beispiel der Pflegegrad 1 jetzt abgeschafft würde, ist das für uns ein Thema, weil Frauen die hauptsächlich Leidtragenden sein werden.
Feministisch sein bedeutet auch, dass ich glaube: Wir können als Gesellschaft und als Kirche freier, gerechter und menschlicher werden. In der KFD machen wir das an vielen Stellen schon: Wir lernen, Verantwortung zu teilen, demokratisch zu entscheiden und unsere Vielfalt als Stärke zu sehen.
KFD als Lernort für die Kirche
All diese Erfahrungen machen uns zu einer Art Lernort für die Kirche. Wir wissen: Wandel kann nicht von oben verordnet werden. Er wächst, wenn wir einander stark machen, uns aufeinander einlassen und losgehen, auch wenn wir noch nicht wissen, was am Ende dabei herauskommt. Viele Frauen in unserem Verband leben genau das: in Projekten, im politischen Engagement, in Gottesdiensten, in Familien, Beziehungen und Gemeinden.
Ich glaube, dass unsere Kirche von diesen Erfahrungen profitieren kann. Wenn sie sich als lernfähig und glaubwürdig zeigen will, braucht sie Frauen, die sich bewegen und etwas bewegen wollen. Wir in der KFD haben schon viel erfahren und probieren weiter aus, wie das geht – und das schon seit Jahrzehnten. Ich halte das für unseren Beitrag zur Kirche der Zukunft: den Mut zu haben, uns selbst zu verändern – und die Hoffnung hochzuhalten.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.