PAPST-ENZYKLIKA

Wer Wahrheit als Gemeingut verteidigt, muss selbst transparent sein

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Zu Recht betont Leo XIV. „Wahrheit als Gemeingut“, meint ZdK-Generalsekretär Marc Frings. Für die Kirchen eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Mit dieser ersten von fünf Grundregeln beschrieb Paul Watzlawick die menschliche Kommunikation. Heute ist diese Kommunikation häufig durch einen dritten Player zwischen zwei Menschen bestimmt: Künstliche Intelligenz (KI) wird zur Adressatin, Empfängerin und Mittlerin menschlicher Kommunikation.

In seiner Enzyklika Magnifica Humanitas beschreibt Papst Leo die KI als eine Machtinfrastruktur in der Hand weniger privater Akteure. Wer verfügt über Macht? Wer kontrolliert sie? Und welchen Regeln folgt sie? Wenn Leo über die „Wahrheit als Gemeingut“ nachdenkt, ist dies auch eine Reflexion über die Voraussetzungen von Demokratie. Zurecht befindet er: „Desinformation hat nicht erst mit der KI begonnen, findet in ihr jedoch einen wirkungsvollen Verstärker.“ So wird die Substanz des Zusammenlebens angegriffen und eine Voraussetzung von Demokratie bedroht. 

Wenn Demokratie stirbt

Der Autor:
Marc Frings ist seit 2020 Generalsekretär des ZdK. Er studierte Politikwissenschaft, Jura sowie Friedens- und Konfliktforschung.

Er beruft sich auf die politische Philosophie Hannah Arendts, wenn er jene „Menschen, für die der Unterschied zwischen Fakten und Fiktion (…), wahr und falsch (…) nicht mehr existiert“, als ideale Untertanen ausmacht, die den Untergang der Demokratie und das Abgleiten in den Totalitarismus flankieren. Demokratie stirbt nicht erst, wenn Parlamente ausgeschaltet werden. Sie wird verwundbar, wo keine gemeinsame Wirklichkeit mehr geteilt wird.

Hier liegt die Verantwortung der Kirchen. Das vielzitierte Böckenförde-Diktum, wonach der freiheitliche Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann, zeigt die Bedeutung christlicher Werte: Menschenwürde, Gewissensbildung, Gemeinsinn, Solidarität. Wir werden als Kirchen nicht zu staatlichen Akteuren, sind aber in der Verantwortung, uns aus unseren Wertvorstellungen heraus einzumischen. Christen schaffen somit die Böckenförde’schen Voraussetzungen.

Wo wenige Tech-Konzerne kollektive Vorstellungskraft prägen, braucht es intermediäre Kräfte. Christen leisten somit einen Beitrag zur „Ökologie der Kommunikation“, wie sie der Papst einfordert. Das verpflichtet auch nach innen. Wer Wahrheit als Gemeingut verteidigt, muss selbst transparent, aufarbeitungsbereit und streitfähig sein. Die Kirche kann nicht glaubwürdig vor Desinformation warnen, wenn sie unbequeme Wahrheiten über sich selbst verdrängt. Dass Papst Leo dies auch in seiner Enzyklika sagt, ist gut zu lesen. Magnifica Humanitas ist ein Ruf zur demokratischen Nüchternheit. Freiheit braucht Institutionen, die Wahrheit suchen, Macht begrenzen und Menschenwürde verteidigen.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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