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Kinder aus Gaza und Israel bei uns aufnehmen? Eine Familienangelegenheit!

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Deutsche Städte bieten an, verletzte Kinder zu behandeln. Das zuständige Ministerium wiegelt ab. Marianne Heimbach-Steins hält es mit Papst Leo XIV.

Hannover, Frankfurt, Bremen, Düsseldorf, Leipzig, Bonn, Kiel – deutsche Städte bieten an, verletzte Kinder aus dem Gaza-Streifen und aus Israel aufzunehmen und medizinisch zu behandeln. Eine Geste humanitärer Zuwendung, ein Zeichen Grenzen überschreitender Solidarität, ein Hoffnungszeichen für junge Menschen, deren Hoffnungen über Monate zunichte gemacht wurden. 

Eine begrenzte Zahl von Kindern aufzunehmen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn über 600.000 Menschen, darunter sehr viele Kinder, im Gazastreifen akut vom Hungertod bedroht sind. Dennoch ist es eine gute Nachricht, oder doch nicht? Das Bundesinnenministerium lehnt ab, schiebt der Umsetzung des Hilfsangebotes einen Riegel vor: bürokratischer Aufwand, Sicherheitsbedenken ... 

Die “Unsrigen”

Die Autorin
Marianne Heimbach-Steins ist Seniorprofessorin für Sozialethik und sozialethische Genderforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

In seinem kürzlich veröffentlichten Mahnschreiben über die Liebe zu den Armen mahnt Papst Leo XIV., die Armen nicht bloß „als soziales Problem“ zu betrachten, sondern in ihrer Not eine „Familienangelegenheit“ zu sehen (Dilexi te, Nr. 104). In dem Angebot aus den Rathäusern deutscher Großstädte schwingt das Bewusstsein mit, dass die verletzten Kinder in Gaza und Israel zu „den Unsrigen“ (DT 104) gehören: ein Zeichen für „Familiensinn“ im Sinne Leos, für eine elementare Verbundenheit in der „Menschheitsfamilie“, wie die katholische Tradition es formuliert. 

Setzt man nicht, wenn Familienmitglieder leiden, „Himmel und Hölle“ in Bewegung, um Hilfe zu ermöglichen? Für Kinder, die noch fast ein ganzes Leben vor sich haben, geht es vielleicht darum, ob sie je auf eigenen Füßen stehen, ob sie sehen und lernen, die Traumata überwinden können, die ihnen Verlust und Zerstörung aufgezwungen haben. Sollte es da nicht möglich sein, bürokratische Hürden abzusenken, um vorhandene Hilfsbereitschaft zu fördern und die Umsetzung zu erleichtern?

Getarnte Kultur der Ausgrenzung

Papst Leo wirbt für eine Politik mit den Armen, für ihre Anerkennung als Subjekte und warnt davor, dass es „manchmal gut getarnt – eine Kultur gibt, die andere ausgrenzt, ohne dies überhaupt zu bemerken“ (DT 11). Vielleicht ist das ein lohnender Impuls, auch im CSU-geführten Innenministerium nach der „Kultur“ zu fragen, aus der heraus Entscheidungen gefällt werden. 

Humanitäre Hilfe lässt eine Kultur des Teilens, des Anteilgebens an den verfügbaren Ressourcen konkret werden und macht den Wert des gemeinsamen Menschseins für Gebende und Empfangende erfahrbar.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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