STREITKULTUR

Unüberbrückbare Meinungen? Drei Situationen, drei Lösungsvorschläge

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Mauritius Wilde ist seit kurzem neuer Abt von Maria Laach. Jede Gemeinschaft, jede Familie kennt Konflikte. Hier kommen drei Ideen, damit umzugehen.

Oft können wir selbst im nächsten Umfeld erleben, wie unterschiedliche Meinungen, politische oder religiöse Ansichten, unversöhnt aufeinanderstoßen und uns zu spalten drohen. Wie kann man damit umgehen? Und wie kann der christliche Glauben in dieser Situation helfen? Sicher gibt es da viele Möglichkeiten, von denen ich nur drei vorschlagen möchte:

Situation 1

Ich halte Abstand zu der anderen Person oder Gruppe. Ich möchte nichts mit ihnen zu tun haben. Ich teile ihre Ansichten nicht und sehe keine Möglichkeit, mich damit zu versöhnen. Ich bin dazu auch nicht bereit, weil ich überzeugt bin, dass es nichts zu verhandeln oder zu vereinbaren gibt.

>> Das ist in Ordnung. Nur würde ich empfehlen, das Wort Jesu anzuwenden: Segnet diejenigen, die euch verfluchen (Lukas 6,28), betet für diejenigen, die euch verfolgen (Matthäus 5,44). Aus der Entfernung, die im Moment für beide Seiten am besten ist, sende ich einen kleinen Segen über den Fluss. Und dann überlasse ich das Problem dem Herrn, ohne mich selbst einzumischen.

Situation 2

Ich meide die anderen nicht. Vielleicht kann ich das gar nicht. Und in gewisser Weise möchte ich das auch nicht, vielleicht weil die anderen Teil meiner Familie sind oder wir in der Vergangenheit eine gute Beziehung hatten, eine gute gemeinsame Geschichte.

>> Ich konzentriere mich auf das, was wir gemeinsam haben. Auf gemeinsame Ziele. Ich lasse das, was uns unterscheidet, beiseite und schätze es, dass wir uns unterschiedlich entwickelt haben. Es ist, wie es ist, im Hier und Jetzt. Ich weiche dem nicht aus, sondern konzentriere mich weiterhin auf die Dinge, die uns verbinden. Und genieße sie. „Ist Christus etwa geteilt?“ (1 Kor 12,13). Nein, das ist er nicht.

Situation 3

Der Autor
Mauritius Wilde stammt aus Hildesheim. 1985 trat er in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach bei Würzburg ein. 2011 wurde er Leiter des Benediktiner-Priorats Christ the King in Schuyler/Nebraska (USA). Seit 2016 war er Prior der Primazialabtei Sant‘ Anselmo in Rom und Rektor des gleichnamigen internationalen Kollegs. Seit dem 3. Oktober 2025 ist er Abt der berühmten Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel. Am 15. November wird er feierlich für diese Aufgabe benediziert.

Wenn ich eine sehr gute Beziehung zu jemandem habe, wenn ich ihn oder sie wirklich respektiere und schätze, wage ich es, das kontroverse Thema anzusprechen. Ich sage ehrlich, wie ich die Dinge sehe, spreche dabei immer von mir selbst und meinen Erfahrungen. Dann höre ich mir an, wie die andere Person das sieht. Ich strebe nicht unbedingt ein harmonisches Ergebnis der Diskussion an und bin bereit, das unangenehme Gefühl zu akzeptieren, wenn wir nicht zu einer Einigung kommen.

Es lohnt sich, bewusst zu erkennen, welche Art von Nähe oder Distanz ich haben möchte, und dabei meine Intuition zu respektieren. Bei allen drei Möglichkeiten breche ich nicht vollständig mit der anderen Seite, zumindest nicht in meinen Gedanken. Es ist nicht leicht, Liebe und Wahrheit miteinander zu verbinden. Aber wenn wir es nicht versuchen, wird die Spaltung wachsen, und das wird weder für mich noch für den anderen gut sein. Denn wenn ein Haus mit sich selbst uneins ist, kann es nicht bestehen. (Markus 3,25)

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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