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Auch unter Mönchen herrscht nicht immer Harmonie. Im Gegenteil, sagt Benediktiner Maurus Runge. Und hat eben darum Vorschläge für die große Politik.
Vor einigen Tagen haben wir den Jahrestag der Weihe unserer Kirche gefeiert. Am 1. September 1964 wurde dieser zentrale Ort eines Benediktinerklosters geweiht – ein symbolisches Datum, denn an diesem Tag begann noch einmal 25 Jahre früher der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen. Deshalb ist unsere Kirche bewusst als Friedenskirche konzipiert, in der jeden Tag um den Frieden im Großen und im Kleinen gebetet wird – gerade heute wichtiger denn je.
Benediktinerklöster verstehen sich gerne als Oasen des Friedens. Der heilige Benedikt wollte in der unruhigen Zeit der Völkerwanderung, einer Zeit voller Bewegung und Dynamik, mit seinen Klöstern Orte schaffen, in denen ein friedvolles Zusammenleben ganz unterschiedlicher Menschen möglich ist – und in denen alle Menschen gleich welcher Herkunft, Religion, sexueller Orientierung etc. gastfreundlich Aufnahme finden können. Auch das Kirchenasyl hat sich aus diesen Überlegungen in den Klöstern entwickelt. Das Wort „Pax“ („Frieden“) findet sich heute über vielen benediktinischen Klosterpforten.
Mönche haben einander nicht ausgesucht
Der Autor
Pater Maurus Runge OSB, gebürtig aus dem Bistum Münster, ist Benediktiner der Abtei Königsmünster in Meschede und arbeitet in seinem Kloster als Missionsprokurator und in der Öffentlichkeitsarbeit.
Wenn ich verschiedene Gemeinschaften unserer weltweiten Kongregation der Missionsbenediktiner besuche, dann scheint mir dieser Aspekt immer wichtiger – und heute ein missionarisches Zeichen zu sein.
In einer oft friedlosen Welt können unsere Klöster allein durch ihre Präsenz zeigen, dass es auch anders geht. Hier leben unterschiedlichste Menschen zusammen, die sich aus Sympathiegründen nicht unbedingt ausgesucht hätten. Vom Abt heißt es ausdrücklich in der Benediktsregel, dass er „der Eigenart vieler“ dienen soll.
Friede als Verhandlungsarbeit
In meiner eigenen Gemeinschaft leben Menschen mit ganz unterschiedlichen Denkweisen, Kirchenbildern, politischen Überzeugungen zusammen. Da wird der sprichwörtliche „benediktinische Frieden“ manchmal zur harten Verhandlungsarbeit – nicht umsonst ist Kommunikation ein Dauerthema nicht nur in benediktinischen Ordensgemeinschaften, manchmal auch mit der Hilfe von externen Begleiterinnen und Begleitern.
Manchmal hilft es, den normalen Alltag miteinander zu teilen. Ich erinnere mich an meine Studienjahre in einem römischen Kolleg, wo Menschen aus über 40 Nationen miteinander lebten. Mitten in Zeiten des Irakkriegs übernahmen US-Amerikaner und Iraker gemeinsam den Tischdienst. Im gemeinsamen Tun relativierte sich mancher Unterschied. Vielleicht wäre das ja mal einen Versuch bei den nächsten Friedensverhandlungen wert?
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.