GREMIENWAHL

Ohne Kompetenz der Ehrenamtlichen stünden Pfarrer auf einsamem Posten

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Was Laien-Kompetenz an der Basis entscheiden kann, soll auch dort entschieden werden. Etwa die Kita-Trägerschaft, meint Kreisdechant Peter Lenfers.

In allen fünf NRW-Diözesen – Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn – werden in diesem Jahr einheitlich am 8. und 9. November neue Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte beziehungsweise Pfarreiräte gewählt. Unterschiedlich sind zwar die jeweiligen Leitworte für die Wahlen, gleichwohl appellieren sie allesamt an das tatkräftige Engagement aller Wahlberechtigten.

„Du bist entscheidend“, heißt es im Bistum Münster. Entscheidend sind nicht nur diejenigen, die den Kandidierenden ihre Stimme geben. Entscheidend sind vor allem alle Gewählten, denen das Geschick ihrer Kirchengemeinde in den kommenden Jahren anvertraut wird. Unsere Gemeinden leben wesentlich vom Engagement ihrer überzeugten und aktiven Mitglieder, auf die Jahre gesehen sogar deutlich mehr als von ihren „Hauptamtlichen“, die gewissermaßen kommen und gehen.

Nicht Mitarbeitende des Pastors

Der Autor
Peter Lenfers ist Pfarrer und Kreisdechant in Warendorf.

Welche Kontinuität und welches Knowhow in unseren Gremien zum Tragen kommen, davon bin ich, je länger ich Pfarrer bin, zunehmend beeindruckt. Ohne diese Kompetenz der „Ehrenamtlichen“ stünden wir auf einsamen Posten.

Alle, die sich in den Gremien oder auch anderswo einsetzen, sind nicht etwa Mitarbeitende des Pastors, sondern Mitarbeitende am Reich Gottes. Sie erledigen nicht Aufträge des Pfarrers, sondern tragen als „lebendige Steine“ selbstständig und maßgeblich zum Aufbau des „geistigen Hauses“ bei, von dem der erste Petrusbrief spricht.

Basisdemokratie in der Kirche?

Das Engagement unserer Gremienmitglieder berührt immer wieder das Zusammenspiel zwischen Kirchengemeinden und Bistum, das sich gemäß katholischer Soziallehre in den Prinzipien Subsidiarität und Solidarität realisiert. Demnach leistet die untere Ebene, was sie eben leisten kann. Wo sie an ihre Grenzen kommt, springt die obere Ebene solidarisch ein.

Diese Prinzipien müssen gerade dort zum Zuge kommen, wo weitreichende Beschlüsse für die Zukunft in der Fläche des gesamten Bistums anstehen. Sicherlich kann dabei nicht alles basisdemokratisch entschieden werden. Manchmal braucht es auch Leitungsentscheidungen von oberer Ebene.

Wo es aber um das Kerngeschäft der Gemeinden geh, wie zum Beispiel bei den Trägerschaften für die Kindergärten, da braucht es zudem nicht nur eine ehrliche Motivation der Kirchenvorstände, sondern auch ihre aktive Einbindung.

Die Kirchengemeinden mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren und ihnen die Trägerschaft der Kitas quasi aus der Hand zu nehmen, konterkariert die Partizipation, die man gern im Mund führt.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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