GESELLSCHAFT

Weniger Geld für soziale Versorgung - was heißt das für die Caritas?

Anzeige

Mehr Hilfsbedarf bei weniger Geld - wie soll das funktionieren? Niveau senken? Auf Ansprüche verzichten? Pia Stapel hat eine klare Position.

Mehr und komplexere Beratung für schwierige Lebenslagen, mehr pflegebedürftige alte Menschen, mehr Betreuung und Begleitung für Kinder und Jugendliche, mehr individuelle Unterstützung für Menschen mit einer Behinderung, mehr Menschen mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen… Die Situation in der Sozialwirtschaft wird an vielen Stellen immer enger. Als Caritas spüren wir die wachsenden Bedarfe deutlich und drängend. Auch die Landespolitik in NRW sieht diese Entwicklung mit Sorge und bringt mittlerweile sogar schon den „Sicherstellungsauftrag“ der zuständigen staatlichen Stellen ins Wort.

Wir teilen die Einschätzung, dass Menschen nicht unversorgt bleiben dürfen, und nehmen diesen Sicherstellungsauftrag sehr ernst. Aber was kann das heißen, wenn die finanziellen Mittel und vor allem die personellen Ressourcen begrenzt sind? Es kann wohl nur heißen, dass wir die vorhandenen Möglichkeiten so verteilen, dass existenzielle Nöte gestillt werden. Es kann wohl nur heißen, dass Menschen in extremen Multi-Problem-Lagen eine so ausreichende Unterstützung erfahren, dass sie weiterhin am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können.

Das ist hart

Die Autorin
Pia Stapel ist Caritasdirektorin im Caritasverband für das Bistum Münster und hat momentan die Funktion als Vorstandsvorsitzende inne. Zu ihren Zuständigkeitsbereichen gehören neben der Eingliederungshilfe und der Altenhilfe ebenso die Fort- und Weiterbildung und die Caritas GemeinschaftsStiftung sowie die interne Verwaltung der Geschäftsstelle.

Und es muss dann aber wohl auch – hoffentlich nur vorübergehend – heißen, dass wir einige errungene Versorgungsniveaus in Frage stellen und dass viele zumindest auf einen Teil ihres berechtigten Anspruchs verzichten müssen. Das ist hart. 

Wenn man in der Caritas arbeitet und jahrzehntelang für Verbesserungen gekämpft hat, ist das eigentlich fast unvorstellbar. Und doch müssen wir um diese Entscheidungen mit Politik, Kostenträgern und Gesellschaft ringen, dürfen uns vor schwierigen ethischen Debatten nicht scheuen.

Kampf für Menschen in Not

Dabei haben wir noch einen anderen Sicherstellungsauftrag. Wir stehen in der Verantwortung, voll Vertrauen in die Zukunft zu schauen und Menschen Hoffnung und Halt zu geben. Die Art der menschlichen Zuwendung ist das, was Caritas ausmacht. Natürlich ersetzt das keine adäquate soziale Versorgung. Aber es hilft, gemeinsam auch schwierige Zeiten durchzustehen.

Wir haben als Caritas außerdem einen weiteren Sicherstellungsauftrag in der Hinsicht, dass wir für Menschen in Not kämpfen – auf dem politischen Parkett, in der Zivilgesellschaft und auch in den kirchlichen Entscheidungsstrukturen. Bei allen Herausforderungen dürfen wir hier nicht müde werden, nicht aufgeben.

Dabei hilft uns am Ende Gottes Sicherstellungsauftrag: seine unverbrüchliche Zusage an die Menschen.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.