ZUKUNFT DER KIRCHE

Synodaler Ausschuss braucht Mut für authentische Entscheidungsprozesse

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Nach massiver Kritik am Synodalen Ausschuss von den Professoren Seewald und Schüller sieht ihre Kollegin Eckholt den Prozess auf einem guten Weg.

Krise bedeutet Unterscheidung, bedeutet, alle Kräfte zu konzentrieren, um abwägen und eine Entscheidung treffen zu können. Die Arbeit im Synodalen Ausschuss ist an einen solchen Punkt gekommen: Es geht um die Gestalt der Satzung für das synodale Gremium, das nach der 6. Synodalversammlung (Ende Januar 2026) eingerichtet werden soll. Die Debatte spitzt sich auf die spezifische Form des Synodalen Wegs in Deutschland zu: dem gemeinsam von Deutscher Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragenen Projekt, dem gemeinsamen Beraten und Entscheiden von Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Laien. Aber macht hier nicht die Weltsynode Mut, hat sie doch die Ortskirchen aufgefordert, „geeignete Wege (zu) finden“, um „authentische synodale Entscheidungsprozesse“ umzusetzen (Abschlussdokument Nr. 94)?

Krisen haben die Arbeiten auf dem Synodalen Weg begleitet. Auch wenn sie schmerzhaft waren, hat das gemeinsame Ringen und Unterscheiden auf neue Wege geführt. Hier hatte und hat auch weiterhin die Arbeit der kleinen Beratergruppe von an theologischen Fakultäten oder Instituten tätigen Theolog:innen ihre Bedeutung. Die erarbeiteten Texte sind aus vielfältigen Gesprächen, Debatten und Konsultationen erwachsen, und sie sind dafür gedacht, solche in Gemeinden, Vereinen, Schulen usw. anzuregen – das steht sicher immer noch aus.

Befreiende Grundoption

Die Autorin
Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Eckholt ist Professorin für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück, war Mitglied in der Synodalversammlung und im Forum 3 Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche, ist Mitglied im Synodalen Ausschuss; sie ist Leiterin des Stipendienwerks Lateinamerika-Deutschland e.V. (ICALA – Intercambio cultural alemán-latinoamericano) und Co-Chair des interkontinentalen Kommentarprojekts Vatican II – Legacy and Mandate.

Die Themen sind in aller Vielfalt ein Spiegel des deutschen Katholizismus, der in der bürgerlichen Mitte verankert ist – aber, das hat die Weltsynode gezeigt, sie werden auch in den Ortskirchen des Südens diskutiert. Was uns alle verbunden und immer wieder aufgerüttelt hat, waren die Stimmen der vom Missbrauch Betroffenen, die Stimmen junger Menschen, die sich nicht als binär bestimmen, und die von Frauen, die auf Diskriminierung und Ausgrenzung hingewiesen haben.

Sind das nicht auch die „Armen“ in unserer Kirche, und hat nicht so eine befreiende Grundoption den Synodalen Weg geprägt? Durch Krisen und Konflikte hindurch konnte ein Grundtext zu Frauen in sakramentalen Ämtern vorgelegt werden, das ist ein Novum in der Kirchengeschichte, da werden – geistgetragene – Wege bereitet, dass sich eine neue Gestalt kirchlicher Lehre ausbilden kann.

Darum ist Mut zu wünschen für unsere „authentischen Entscheidungsprozesse“, für weitere Beratungen im Dienst des befreienden Evangeliums, um diese auch auf den runden Tisch der Weltkirche zu legen. Es gibt einen Kairos der Synodalität, der noch lange nicht ergriffen ist.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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