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Papst Leo XIV. schickt einen neuen Botschafter nach Deutschland. Kirchenrechtler Thomas Schüller ruft dessen wichtige Aufgabe in Erinnerung.
Nun ist es raus: Erzbischof Hubertus Matheus Maria van Megen wird neuer Nuntius in Berlin. Ein katholischer Niederländer aus dem Grenzgebiet zu Aachen und erfahrener Diplomat. Anders als sein kroatischer Vorgänger versteht er Deutsch und spricht diese Sprache – unabdingbare Voraussetzung, um die Mentalität, die Seele eines Landes zu verstehen.
Nuntien üben ein komplexes Amt aus. Sie vertreten den Heiligen Stuhl bei den Staaten der Welt und zugleich sind sie der römische Brückenkopf zu den Bischöfen eines Landes. In beiden Bereichen unterstehen sie den Weisungen des Staatsekretariates in Rom mit dem Kardinalstaatssekretär an seiner Spitze. In diesen komplexen Konstellationen heißt es, den Überblick zu bewahren, fair die Interessen aller Beteiligten zu wahren und in konfliktiven Situation klug zu vermitteln, ohne in der Öffentlichkeit als dröhnender Lautsprecher zu wirken.
Diskrete Kunst
Der Autor
Thomas Schüller ist Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Universität Münster und Mitglied des Synodalen Ausschusses.
Theologisch unterkomplexe Brandreden an die bischöflichen Mitbrüder zu Beginn einer Vollversammlung pervertieren das Amt des Nuntius und beschädigen es daher. Diplomatie ist eine diskrete Kunst, kein Spielplatz für eigene kirchenpolitisch-narzisstische Agenden.
Die Väter auf dem Zweiten Vaticanum führten lautstark Klage, dass Nuntien ihre Anliegen und Bedarfe oft verzerrt und nicht zum Wohl der Gläubigen eines Landes denunziatorisch in den römischen Behörden hinterlegten. Sie forderten Nuntien, die sich als faire bischöfliche Vertreter der legitimen pastoralen Interessen des Landes verstehen, zu denen sie der Papst sendet.
Rom in der Pflicht
Papst Paul VI. reagierte auf diese berechtigten Monita und verpflichtet bis heute die Nuntien, mitbrüderlich und verständnisvoll die Belange eines Landes als Vermittler zwischen Rom und den Kirchen vor Ort zu kommunizieren. Franziskus nahm in gleicher Weise auch die römischen Dikasterien in die Pflicht, sich nicht nur als Unterstützer des Papstes, sondern auch als Dienstleister der Diözesen und ihrer Bischöfe zu verhalten.
Hier kommt den Nuntien eine zentrale Bedeutung zu: Sie sind federführend bei der Suche nach neuen Bischöfen für ein Land gefordert und sollten sich um das Wohl der Gläubigen mühen. Für interessengeleitete Denunziation und Desinformation ist da kein Platz. Glaubensstarke, kultursensible, sprachbegabte, wohlmeinende und inkulturationsfähige Brückenbauer braucht das Land. Dem neuen Nuntius mögen alle guten Segenswünsche für sein neues Amt bekleiden. Glück auf dem Kind aus dem niederländischen Bergbau!
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.