Auszeichnung der Evangelisch-Theologischen Fakultät

Gauck wird Ehrendoktor der Uni Münster und mahnt zu Toleranz

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck ruft zu mehr Toleranz auf. Gegenseitige Achtung und Respekt seien „umso mehr erforderlich, je vielfältiger unsere Gesellschaften werden und je enger die Welt zusammenrückt“, sagte er am Montag in Münster, wo er die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität erhielt.

Soziale Homogenität biete vielleicht jenen Heimat, die nach Einheit und ihresgleichen suchten. Sie könne aber in einer globalisierten Welt kaum noch existieren. „Zudem mindert sie die Toleranz und befördert Abgrenzung und Ausgrenzung, manchmal in offen rassistischer Form“, so Gauck laut Manuskript seiner Dankesrede.

Toleranz auch in Demokratien gefährdet

Er warnte vor abnehmender Toleranz weltweit. Fundamentalisten, Terroristen, Diktatoren und Autokraten reagierten gegenüber dem Fremden, politischen Gegnern und Andersgläubigen mit Verleumdung, Zensur, Berufsverboten, Verhaftungen, Anschlägen und Gewalt.

Selbst in demokratischen Gesellschaften habe die Toleranz zurzeit einen schweren Stand. Als Beispiele nannte Gauck das Erstarken rassistischer, nationalistischer, islamfeindlicher und antisemitischer Positionen. Zugleich verwies er auf die Zunahme von Straftaten etwa gegenüber homo-, trans- und bisexuellen Menschen auch in Deutschland.

Mehr als „Gewährenlassen“

„Toleranz ist eine Tugend, die uns viel abverlangt“, sagte Gauck. Sie erfordere „zu ertragen, was stört, und zu erdulden, was zu dulden schwer fällt“. Sie bedeute aber nicht schlichtes Gewährenlassen und Gleichgültigkeit.

Die Ehrendoktorwürde wurde im Schloss in Münster verliehen. | Foto: Erich Westendarp, pixelio.de
Die Ehrendoktorwürde wurde im Schloss in Münster verliehen. | Foto: Erich Westendarp, pixelio.de

Auch sei Toleranz nicht dasselbe wie Akzeptanz. „Eine offene Gesellschaft gibt allen dasselbe Recht, zum Beispiel auch das der Religionsfreiheit. Aber sie mutet allen auch gleichermaßen zu, mit Kritik, mit Streitkultur, auch mit Satire und unter Umständen sogar mit Beschimpfungen und Schmähungen zu leben.“

Auszeichnung für Lebensleistung

Es sei gut, dass es keine Toleranz gegenüber jenen gebe, „die Anschläge auf Flüchtlingsheime verüben, die Ausländerhass verbreiten oder den Holocaust leugnen“, so der frühere Bundespräsident. Ebenso wenig aber dürfe Intoleranz unter Zugewanderten verschwiegen werden.

Gauck erhielt die Ehrendoktorwürde für seine Lebensleistung in Kirche, Gesellschaft und höchsten Staatsämtern. In allen Funktionen habe er stets den Gehalt des christlichen Glaubens mit dem Begriff der Freiheit zur Sprache gebracht, hieß es zu Begründung.

Die Ehrendoktorwürde wurde Gauck bei einem Festakt im Schloss in Münster verliehen. Die Laudatio hielt Professor Arnulf von Scheliha vom Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften.