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Im Gazastreifen geht der Krieg mit unverminderter Härte weiter. Nach den Worten von Pizzaballa haben die Bewohner dort jede Perspektive verloren.
Mit dramatischen Worten hat der Jerusalemer Kardinal Pierbattista Pizzaballa die Lage im Gazastreifen beschrieben. Die Ankündigung von Israels Verteidigungsminister Israel Katz, dass sich die Pforten der Hölle öffnen würden, sei zu einer tragischen Realität geworden, so der Lateinische Patriarch von Jerusalem, in einem am Samstag in Wien verlesenen Schreiben.
Das israelische Militär habe die vollständige Evakuierung und Umsiedlung von Hunderttausenden im Gazastreifen lebenden Zivilisten angeordnet, so der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land. Von zuletzt 1.000 Christen lebten aktuell noch 700 im Gazastreifen. Die meisten von ihnen hätten ihre Häuser, ihre Arbeit und andere Grundlagen ihres täglichen Lebens verloren.
Auch im Westjordanland wird es schlimmer
Insgesamt habe die Zerstörung der Häuser, Gotteshäuser, Krankenhäuser, der öffentlichen Plätze, Straßen und verschiedener Infrastrukturen ein Ausmaß erreicht, das schwer zu beschreiben sei, so Pizzaballa. Hunderttausende Menschen hätten keinen sicheren Zugang zu Wasser, Nahrung, Medikamenten, Bildung, Arbeit und anderen Grundbedürfnissen.
Auch die Lage im Westjordanland spitze sich weiter zu, beklagte der Lateinische Patriarch. Zu wachsender Armut und Perspektivlosigkeit gesellten sich Attacken israelischer Siedler. Landwirtschaftliche Flächen seien mit Gewalt enteignet worden, viele Menschen fühlten sich hilflos.
Warnung vor Fake News
Der Kardinal hatte zu Monatsbeginn seine für dieses Wochenende geplante Teilnahme an der Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom aufgrund der aktuellen Lage im Nahen Osten abgesagt. Stattdessen richtet er sich schriftlich an die Anwesenden.
Eindringlich warnte der katholische Geistliche vor Falschnachrichten. „Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen als Fakten dargestellt werden. Unser einfacher Zugang zu Informationen bedeutet nicht unbedingt, dass das, was wir lesen oder hören, auch wahr ist.“ Es gelte, alle vermeintlichen Informationen und Berichte kritisch zu hinterfragen. Zur Wahrheit gebe es keine Alternative.
Pizzaballa ruft zu besonnener Sprache auf
Zudem rief der Patriarch zu einer besonnenen Sprache auf. „Worte können zerstören.“ Sie könnten dazu benutzt werden, Einzelpersonen und ganze Gruppen zu entmenschlichen sowie Ideologien zu verbreiten, die zu Misstrauen, Hass und Gewalt führen. Worte hätten andererseits aber auch eine enorme positive Kraft und könnten zu Versöhnung und zu Frieden beitragen, so Pizzaballa.