SOZIALES

Gefährdete Kinder: Caritas-Präsidentin kritisiert drohende Kürzungen

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Eva Maria Welskop-Deffaa besuchte in Münster die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz. Was sie bei dieser Gelegenheit sagte.

Von pd, ber

Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa hat vor zunehmender Kindeswohlgefährdung gewarnt. „Kinder und Jugendliche brauchen Schutz und eine gute Perspektive, nicht erst, wenn es zu spät ist“, sagte sie anlässlich ihres Besuchs in der Jugendhilfeeinrichtung St. Mauritz in Münster. Deshalb fordere der kirchliche Wohlfahrtsverband eine gesicherte Finanzierung von präventiven Maßnahmen sowie eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Jugendämter.

Die Caritas verweist in dieser Sache auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 2024 sei die Zahl der Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdung um 10 Prozent (rund 2.600 Fälle) gestiegen. Ebenfalls habe sich die Zahl der Selbstmeldungen von Kindern und Jugendlichen um 10 Prozent (rund 850 Fälle) erhöht. Kinder würden damit immer häufiger erst dann Schutz von den Jugendämtern erhalten, wenn sie bereits erheblich gefährdet seien. „Die Erziehungsberatung ist ein Schlüssel, um diese Eskalation zu verhindern“, so Welskop-Deffaa. „Sie unterstützt Familien frühzeitig, bevor Situationen eskalieren und eine Inobhutnahme überhaupt notwendig wird.“

Michael Kaiser, der Geschäftsführer und Heimleiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz, beschrieb die Situation aus der Praxis: „Die Jugendämter suchen händeringend nach Plätzen für Kinder und Jugendliche, doch es fehlen sowohl Plätze in den Einrichtungen als auch Pflegefamilien. Ohne eine bessere finanzielle Ausstattung der Jugendämter und eine verlässliche Förderung der freien Träger können wir diese Plätze nicht schaffen. Viele Kinder bleiben erschreckend lange in der Inobhutnahme, weil es an Anschlusslösungen fehlt.“

Welskop-Deffaa: Jugendhilfe ist mehr als Kindergeld

Angesichts dieser Entwicklungen warnte die Caritas vor Kürzungen bei präventiven Maßnahmen, die in den Haushaltsberatungen diskutiert wurden. „Unterstützung für Kinder und Familien bedeutet weit mehr als nur Kindergeld“, so Welskop-Deffaa. „Eine familienfreundliche Gesellschaft braucht verlässliche und hochwertige Beratungs- und Betreuungsangebote sowie eine Kultur, in der Kinder, Jugendliche und Familien sich sicher und willkommen fühlen. Nur so verhindern wir Eskalationen und schaffen Perspektiven.“

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