Hälfte der Bildungshäuser soll abgegeben werden/ Betriebsbedingte Kündigungen möglich

„Gefährliche Schieflage“ des Würzburger Bistumshaushalts

  • Das katholische Bistum Würzburg steht vor einem massiven Sparkurs und will fast die Hälfte seiner Bildungshäuser abgeben.
  • Außerdem gilt eine Besetzungssperre, um Personal abzubauen.
  • Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs stehe „auf äußerst wackligen Beinen“, sagt Bischof Franz Jung.
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Das katholische Bistum Würzburg steht vor einem massiven Sparkurs und will fast die Hälfte seiner Bildungshäuser abgeben. Außerdem gilt eine Besetzungssperre, um Personal abzubauen. „Der Haushalt des Bistums befindet sich in einer gefährlichen Schieflage“, sagte Bischof Franz Jung am Donnerstag vor Journalisten. Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs stehe „auf äußerst wackligen Beinen“. Angesichts der Corona-Pandemie habe man die Sparmaßnahmen deutlich schneller einleiten müssen, so der Bischof. „Wir haben kein Polster, auf das wir zurückgreifen können.“

Der Jahresfehlbetrag des Bistums für 2019 beträgt laut Finanzdirektor Sven Kunkel 40,7 Millionen Euro, gut 25 Millionen Euro mehr, als im Haushaltsplan veranschlagt. Ende 2020 werde das Minus etwa 13 Millionen Euro ausmachen, 2021 rund elf Millionen Euro, sagte Kunkel. Angesichts der Corona-Pandemie rechnet das fränkische Bistum mit 10 bis 15 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer im laufenden Jahr. Für das kommende Jahr spricht Jung von einem Minus von 20 Millionen Euro bei diesem Posten.

Erste große Sparmaßnahme: Bildungshäuser abgeben

Als Grund für den starken Anstieg des Verlusts nannte Kunkel Rückstellungen für bereits gemachte finanzielle Zusagen, etwa im Bereich der Kindergärten. Das Eigenkapital des Bistums stieg nach Angaben des Finanzdirektors auf 118,6 Millionen Euro von zuletzt 72,5 Millionen Euro. Grund dafür sei, dass im konsolidierten Haushalt erstmal auch alle selbst bilanzierenden Einrichtungen mit aufgenommen worden seien, etwa die Tagungshäuser.

Bei diesen setzt auch die erste große Sparmaßnahme des Bistums an. Von seinen zehn Bildungshäusern sollen nur noch vier ganz in eigener Trägerschaft erhalten bleiben, für vier sollen neue Träger gefunden werden. Gelinge dies nicht, „werden Hausschließungen unvermeidbar sein“, sagte Generalvikar Jürgen Vorndran. Er schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Wiederbesetzungssperre für das Verwaltungspersonal

Außerdem gilt weiter eine seit Anfang 2019 bestehende Wiederbesetzungssperre für das Verwaltungspersonal in allen Hauptabteilung des Ordinariats, wie Vorndran betonte. Dies betreffe nun auch die Seelsorgeberufe. Ausgenommen sei der Jugendbereich. Eine solche Wiederbesetzungssperre hatte der Diözesanrat der Katholiken in einer außerordentlichen Vollversammlung scharf kritisiert.

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