NAHER OSTEN

Können Syrer in ihre Heimat zurückkehren? Das sagt der Erzbischof von Homs

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Wird es besser in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes? Erzbischof Jacques Mourad antwortet – auch in Münster.

Von KNA, jjo

Der Erzbischof von Homs in Syrien, Jacques Mourad, rät geflüchteten Landsleuten von einer baldigen Rückkehr ab. Sicherheits- und Wirtschaftslage seien nach wie vor desaströs, weiter herrsche eine soziale und humanitäre Katastrophe im Land, sagt Mourad der österreichischen Agentur Kathpress. Der aktuellen Regierung, den USA, Israel und der EU wirft der syrisch-katholische Geistliche vor, nicht um das Wohl des syrischen Volkes und Stabilität im Nahen Osten bemüht zu sein.

Auf die verbliebenen Christen in Syrien habe das verheerende Auswirkungen: Von ehemals zwei Millionen Christen seien nach Schätzungen noch 300.000 bis 350.000 übrig: „Wenn das so weitergeht, stirbt das Christentum in dieser Region aus.“

Gewalt der Islamisten

Die Regierung sei nicht imstande oder nicht gewillt, Gewalt im Land einzudämmen. Opfer seien vor allem Alawiten und Drusen, denen man vorwerfe, mit dem gestürzten Assad-Regime kollaboriert zu haben.

So pauschal sei das zwar nicht richtig, aber für Islamisten ein Vorwand, um gegen religiöse Minderheiten vorzugehen, erklärt Mourad. „Diese Extremisten hassen die Alawiten und Drusen noch mehr als die Christen.“

Religiöse Vielfalt bedroht

Das einst weitgehend säkulare Syrien werde immer stärker islamisch geprägt, schildert der Erzbischof. Religiöse Vielfalt habe für die Regierung keinen Wert, auch wenn man sich international mitunter moderat gebe. Islamistische Fundamentalisten bildeten die Mehrheit der Parlamentsmitglieder.

Wirtschaftliche Lage und medizinische Versorgung seien in Syrien katastrophal, sagt der Erzbischof. Immer mehr Menschen könnten sich weder Grundnahrungsmittel noch Mieten leisten. Er fordert konkrete Wiederaufbauprojekte mit Investitionen in die Bildung.

Mourad war IS-Geisel

Mourad wurde 2015 wegen seiner Entführung durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bekannt. Er habe jeden Tag für seine Entführer gebetet, erinnert er sich. „Bekehre dich zum Islam, oder wir schlagen dir den Kopf ab“, hätten sie gedroht.

Sein Glaube und die Gottesmutter Maria hätten ihn durch die Zeit getragen, so der Erzbischof: „Jedes Mal, wenn ich diese Angst hatte, betete ich den Rosenkranz, die Angst verschwand und verwandelte sich in Mut.“ Im fünften Monat gelang dem Priester die Flucht.

Mourad spricht am Donnerstag, 23. Juli, ab 18.30 Uhr, in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus in Münster. Der Eintritt ist frei.

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