BDKJ bietet Fortbildung für den Umgang mit Hass-Reden an

Gegen Hetze im Internet helfen Ruhe und Fakten

Vor etwa einem Jahr veranstaltete der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Münster ein Treffen, bei dem es um das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge ging. Vertreter aller Jugendverbände im Bistum Münster kamen, um Hintergrundwissen zu teilen, Erfahrungen auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Natürlich fand das alles auch im Internet statt. Ergebnisse und Konzepte konnten die Jugendlichen im sozialen Netzwerk „facebook“ einsehen. Damit hatte der BDKJ aber auch die Tür für Kommentare von außen geöffnet. Und die gingen zum Teil unter die Gürtellinie.

„Wir wurden für unseren Einsatz verunglimpft, Flüchtlinge und Religionen beschimpft“, erinnert sich der Vorsitzende des BDKJ-Diözesanverbands Münster, Johannes Wilde. Auch wenn solche Reaktionen selten sind, haben sie großes Potenzial, einzuschüchtern und zu ängstigen. „Gerade im Bereich unserer Flüchtlingsarbeit erleben wir das.“ Deshalb hat der Verband mit Unterstützung der Caritas, des Bistums Münster und der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg am Niederrhein erstmals eine Fortbildung zum Thema angeboten: Es geht um „Hatespeech“ – um die „Hass-Rede“, die im Netz Einzug gehalten hat.

Das Phänomen hat seit Beginn des Flüchtlingszustroms aus Syrien im Jahr 2015 eine traurige Dynamik aufgenommen. Stammtisch-Parolen, befeuert durch die nationalistischen Tendenzen einiger Parteien, fanden im Internet eine passgenaue Plattform: Oft anonym, kaum zensiert und mit eingeschränkten Möglichkeiten der Gegenreaktion.

Im Fokus der Hetze

Wenngleich es nicht allein um das Thema Migration geht, sagt Heiko Wolf. Der Medienpädagoge aus Düsseldorf ist Referent, wenn sich jetzt etwa 20 Aktive in der Jugendarbeit zur besagten ersten BDKJ-Schulung in Kerken-Nieukerk versammeln. „Es gibt viele Gruppen, die im Fokus von Internet-Hetze stehen“, sagt er. „Frauen sind die größte Gruppe, die beleidigt wird.“ Tatsächlich sieht er aber jeden gefährdet, von dem sich andere abgrenzen wollen. „Etwa aus sexuellen oder religiösen Gründen.“

Die „Hass-Rede“ im Internet kann eine außergewöhnliche Kraft entwickeln. Das liegt an den Mechanismen der sozialen Netzwerke, sagt Wolf. „Es lesen mehr mit, als bei einem Gespräch am Stammtisch oder auf dem Schulhof zuhören.“ Die Gruppe der Unterstützer, wenn auch zum großen Teil schweigend, wird mächtiger. Damit wächst der Druck, den sie auf eine betroffene Person oder Gruppe ausüben.

Alles ist ernst

Es gibt noch einen Faktor: Der Grad der Erniedrigung ist schwer nachzuvollziehen. „Ich sehe keine Mimik und keine Gestik – ich weiß nicht, was der User an seinem Rechner vorher oder nachher gesagt hat“, sagt Wolf. Ironie oder humorvolle Leichtigkeit gehen im Netz verloren. „Spaßbeleidigungen gibt es nicht – auf der Seite der Opfer kommt alles ernst an.“

Heiko Wolf
Medienpädagoge Heiko Wolf klärt über „Hass-Reden“ im Internet auf. | Foto: privat

Wer Stellung gegen Hasskommentare bezieht, muss auf der Hut sein. Falsche Reaktionen können eine Eigendynamik anstoßen, die immer persönlicher und verletzender wird. „Gewaltspirale“, nennt Wolf das. „Ruhe bewahren ist wichtig, nicht zurück beleidigen.“ Der zweite Schritt sollte dann die Blockade des Kontakts sein, um nicht weiter als Angriffsfläche zu dienen. Schließlich sollte ein junger Mensch immer Kontakt zu einem Erwachsenen suchen. „Der Hass-Post sollte nicht nur technisch im sozialen Netzwerk gemeldet werden, auch in der Wirklichkeit, im Extremfall der Polizei.“

Für Verantwortliche in der Jugendarbeit gibt es noch einen zentralen Punkt. „Ziel unserer Mitgliedsverbände ist es auch, das politische Interesse junger Menschen zu fördern“, sagt der BDKJ-Diözesanvorsitzende Johannes Wilde. Da politische Diskussionen immer mehr im Internet stattfänden, könne auch die Teilnahme der Jugendlichen daran nicht mehr nur auf der Straße geschehen. „Wir müssen deshalb sehen, in welcher Form sie im Internet auch extremen Standpunkten begegnen können.“

Fakten gegen Polemik

Dabei geht es nicht um die Form der Hass-Rede, die alle Grenzen überschreitet und nicht kommentiert, sondern gemeldet gehört. Es geht vielmehr um jene Auseinandersetzungen, in denen man platter Polemik entgegentreten will. Es geht also um das aktive Einklinken in Diskussionen. Auch dafür gibt Medienpädagoge Wolf Tipps. „Es ist wichtig, dem Hass dann Fakten entgegen zu stellen.“ Zur Behauptung, dass alle Ausländer Verbrecher seien, sollte man die Zahlen der Kriminalstatistik posten. „Im besten Fall bekommen die Fakten dann mehr Zustimmung als die Ausgangs-Behauptung.“

Wolf rät, sich dabei nicht auf Diskussionen einzulassen. Im Hin und Her stehe man schnell mit dem Rücken an der Wand, da man sich nicht selten in einen Raum begeben habe, der von der Gegenpartei einseitig besetzt sei. Wenn man doch lauter werden wolle, empfiehlt er die „Online-Demo“: „Sich mit mehreren zusammentun und sich mit dem Aufruf zur Vielseitigkeit und Offenheit gegen eine diskriminierende Aussage stellen.“

Zielgruppe Jugendliche

Dieses Handwerkszeug wird Thema bei der BDKJ-Fortbildung sein. Es wird darum gehen, Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugendarbeit zu informieren, zu sensibilisieren und mögliche Reaktionen zu vermitteln. Denn „Hass-Reden“ erscheinen vergleichsweise häufig auf den Displays der Mobiltelefone und Tablets junger Menschen. Weil sie es sind, die das Internet besonders intensiv nutzen.

Was können Betroffene tun?
„Hate Speech“ – Die Hassrede bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen mit dem Ziel der Herabsetzung und Verunglimpfung bestimmter Personen oder Gruppen. Eine konsequente strafrechtliche Verfolgung betreffender Aussagen im Internet ist schwierig, weil sie immer mit dem Recht der freien Meinungsäußerung konkurriert. Auch international unterschiedliche Auslegungen erschweren die Strafverfolgung. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, sich zu wehren. Die Betreiber sozialer Netzwerke sind verpflichtet, gemeldete Einträge zu löschen. Auch zur Anzeige gebrachte Einträge müssen polizeilich verfolgt werden. In den Augen von Experten wird von diesen Möglichkeiten aber bislang noch nicht ausreichend Gebrauch gemacht.
Informationen im Internet: www.jugendschutz.net