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Forschende der Uni Münster untersuchen seit 2023, wie es zu Geistlichem Missbrauch kommen konnte. Wann sie ihre Ergebnisse vorlegen.
Seit 2023 arbeitet ein Team um die Theologieprofessorin Judith Könemann von der Universität Münster Fälle geistlichen Missbrauchs in den Diözesen Münster und Osnabrück auf. Das Projekt läuft bis Ende 2026.
Die Ergebnisse sollen am 25. September vorgestellt werden, teilt die Pressestelle der Universität am Mittwoch mit. Zu der Veranstaltung ab 16.30 Uhr im Hörsaal S 10 im Schloss in Münster sei auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Das Projekt untersucht das Phänomen „Geistlicher Missbrauch“ am Beispiel zweier Gemeinschaften in den Bistümern Münster und Osnabrück, in denen es solche Formen des Machtmissbrauchs gegeben hat.
Was die Forschenden untersuchen
Es sind die bis 2021 im Bistum Münster kirchenrechtlich anerkannte und dort inzwischen aufgelöste Vereinigung „Totus Tuus Neuevangelisierung“ und die „Christusgemeinschaft“. Sie wurde im Bistum Osnabrück gegründet und ist mit dem Orden der Thuiner Franziskanerinnen verknüpft, dessen Sitz im Emsland ist.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschreiben laut Uni-Mitteilung Faktoren, die dazu geführt haben, dass Missbrauch entstehen und aufrechterhalten werden konnte. Darüber hinaus analysieren sie religiöse Praktiken, theologische Überzeugungen und anthropologische Konzepte, die Geistlichen Missbrauch begünstigten. Auch das Handeln der beiden Bistümer ist Teil der Untersuchung.
Was ist Geistlicher Missbrauch?
Geistlicher Missbrauch werde „meistens in Vertrauensbeziehungen – in der Beichte, in der geistlichen Begleitung oder einer anderen seelsorglichen Beziehung – ausgeübt“, erläuterte Studienleiterin Könemann 2025 im Kirche+Leben-Interview. „In der Regel wird er in einem geistlichen Abhängigkeitsverhältnis verübt.“
Die Täterperson nutze dieses Vertrauensverhältnis „zur Befriedigung eigener Bedürfnisse oder Ziele – beispielsweise nach Überlegenheit und Macht. Dabei nimmt eine geistliche Autoritätsperson aufgrund ihrer eigenen vermeintlichen spirituellen Reife für sich in Anspruch, die Stimme Gottes besser vernehmen zu können als das Gegenüber, und leitet daraus eine Weisungsbefugnis für das spirituelle Leben des Gegenübers ab“, so die Professorin für Religionspädagogik und Pastoraltheologie.
Die Studie
Geistlicher Missbrauch sei oft schwer zu erkennen, weil er sich in Zweier-Beziehungen oder „in mehr oder weniger stark geschlossenen Gruppen“ ereigne. Für ihre Studie haben die Forschenden laut aktueller Mitteilung rund 120 Interviews geführt, darunter mit zahlreichen Betroffenen. Hinzu kommt die Analyse von Akten.
Die Studie erfolgt im Auftrag der Bistümer Münster und Osnabrück, die Forschenden arbeiten aber unabhängig. Beteiligt sind auch die Deutsche Bischofskonferenz und die Thuiner Franziskanerinnen.
Update 10 Uhr: Artikel wesentlich um Hintergründe erweitert.
Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für das Bistum Münster erreichen Sie über die Seite https://uak-muenster.de/.
Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/
Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0