RELIGIÖSE KUNST

500 Jahre kopflos: Wie eine Marienstatue ihr Gesicht zurückbekam

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Der Marienstatue in einer europäischen Kathedrale fehlte 500 Jahre der Kopf. Wie er trotz Widerständen nun endlich rekonstruiert wurde.

Von KNA

Fünf Jahrhunderte nach dem reformatorischen Bildersturm hat die kopflose Madonna im Vorraum der Kathedrale von Lausanne ihren Kopf zurück – zumindest digital. Das berichtet das schweizerische Portal cath.ch am Mittwoch. Der Katholik René Bugnion rekonstruierte das Gesicht der Figur mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und gotischer Vorbilder. Die Initiative ist Teil der Feiern zum 750-jährigen Bestehen der Kathedrale.

Marienverehrer Bugnion, früher Verwaltungsleiter an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, entdeckte die enthauptete Marienstatue zufällig und wollte den Verlust nicht hinnehmen. Er machte sich die Rekonstruktion der Statue zur Aufgabe – doch eine physische Restaurierung kam für die reformierte Kirche nicht infrage. Stattdessen einigte er sich mit den Verantwortlichen auf eine virtuelle Rekonstruktion. Darin sah Bugnion auch technische und pädagogische Chancen. Gemeinsam mit dem Informatikstudenten Alexis Allemand, der sich auf bildgenerierende künstliche Intelligenz spezialisiert hat, machte er sich an die Arbeit.

Alte Kunst, neue Technik

Die zunächst halluzinierende KI musste anhand vieler gotischer Beispiele lange trainiert werden, bis sie rekonstruieren konnte, wie die Marienfigur ursprünglich ausgesehen haben könnte. Bugnion lieferte kunsthistorische Expertise, Allemand die technische Umsetzung. Der Rentner erklärte, sie hätten der Maschine erst einen „Sinn für Schönheit“ beibringen müssen. Das Ergebnis: eine „relativ sichere“ 2D- und 3D-Rekonstruktion der Jungfrau.

Marienverehrung ist für Bugnion heute notwendiger denn je. Sie bilde einen Berührungspunkt zwischen den Religionen. So gebe es an mehreren Orten der Welt gemeinsame Marienwallfahrten von Muslimen und Christen. Maria habe eine immense Fürsprachekraft und sei eine wichtige Trostspenderin. Das sei in unruhigen Zeiten eine besonders wichtige Dimension.

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