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Schwester Ulrike Soegtrop zum Gender*Sternchen und anderen Mitteln

Gendergerechte Sprache fordert Demut – auch von Männern

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Liebe Leser*innen! Sieht das noch immer ungewohnt aus? Und doch ist es Zeichen dafür, dass Sprache unvollkommen ist. In der Kirche ist es noch schlimmer. Schwester Ulrike Soegtrop über Versuche, das Bewusstsein zu schärfen und Diskriminierungen zu entlarven.

Sprache bildet Wirklichkeit ab und ist damit dem je aktuellen Welt- und Menschenbild verhaftet. Sprache konstruiert Wirklichkeit und ist damit ein politisches Instrumentarium. In der Diskussion um die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist dies schon lange brisant – im kirchlichen Kontext allemal.

Das Gender*Sternchen und ähnliche Zeichenkonstrukte wie / - : sind nicht mehr und nicht weniger als eine Ohnmachtsbekundung. Sie tun kund: unsere Sprache ist unvollkommen. Sie hinkt anthropologischen Einsichten und gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher.

„Brüder“ und „Söhne“ - sind Frauen da angesprochen?

Es ist nun mal so, dass „der Bürger“ männlich ist. Bis vor einigen Jahren konnte Frauen noch vorgegaukelt werden, mitgemeint zu sein. Die kirchliche Sprache war noch extremer. Da sollten Frauen sich sogar bei der Anrede „Brüder“ und „Söhne“ angesprochen fühlen. Dabei mussten blitzschnelle Unterscheidungsprozesse laufen: Wenn von Kirchenbesuchern die Rede ist, sind Frauen wohl mitgemeint; von Messdienern – kommt drauf an; von Priestern – nein.

Die Autorin:
Ulrike Soegtrop OSB ist Schwester der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika Burg Dinklage.

Und wie ist es in den biblischen Texten: Jünger? Propheten? Apostel? Freunde Jesu? Frauen wird in den Worten kein Raum gegeben. Es war, und manchmal ist es immer noch, eine echte (Demuts-)Leistung der Frauen, dies über sich ergehen zu lassen.

Viele Frauen haben die Diskriminierung verinnerlicht

Schlimmer ist, dass viele die Diskriminierung verinnerlicht und zum Selbstbild haben werden lassen: Mich gibt es nicht. Und: Es zählen nur die Männer. Es hat viel zu lange gebraucht, bis diese sprachliche Ignoranz als Skandal entlarvt wurde. Nun gibt es kein Zurück.

Doch es wird noch Zeit brauchen, bis unsere Sprache, geschrieben und gesprochen, dem Genderbewusstsein nachkommt. Bis dahin ist auch vom anderen Geschlecht Demut gefordert. Ja, es sind holprige Versuche, mit denen versucht wird, endlich sprachlich abzubilden, was im Schöpfungsbericht grundgelegt ist: Gott schuf den Menschen männlich und weiblich.

Ablehnung gendergerechter Sprache ist Mangel an Respekt

Sternchen im geschriebenen Text sind Platzhalter; oder, wie Gundula Meinert es einmal ausgedrückt hat: „Ein * kann den Respekt nicht ersetzen, aber zum Ausdruck bringen. So wie die Ablehnung gendersensibler Sprache einen Mangel an Respekt anzeigt.“ Ja, und das kleine * hilft, Bewusstsein zu schärfen, Diskriminierungen zu entlarven und eine neue Wirklichkeit wachsen zu lassen.

So sensibilisiert, stolpert frau / man über den Satz von Hartmut Niehues ("Kirche-und-Leben.de" am 1. Februar 2021): „Wir brauchen Priester, Pastoralreferentinnen und -referenten, die uns gläubige Christinnen und Christen sensibilisieren…“ Hoppla, meint er wirklich, dass eine fortgesetzte Ablehnung von Frauen im priesterlichen Amt das ist, was unsere Kirche in Zukunft braucht?

Viel lieber glaube ich, dass er hier einfach das „-innen“ beim „Priester“ vergessen hat. Kann ja passieren.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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