Neuer Verwaltungschef im Bistum Münster über Gottesdienste und Gemeindefusionen

Generalvikar Winterkamp: Kirche muss lebensnäher werden

Einen Kulturwandel in der Kirche fordert der neue Generalvikar im Bistum Münster, Klaus Winterkamp. In einer pluralistischen Gesellschaft sei eine für Einheit stehende Organisation wie die Kirche nicht mehr attraktiv, sagte er im Interview den „Westfälischen Nachrichten“ (Dienstag) in Münster. Auch kämen viele junge Menschen mit Glaube und Kirche kaum noch in Berührung. Winterkamp hatte das Amt des Generalvikars in der Nachfolge von Norbert Köster am 1. Oktober angetreten.

Notwendig seien etwa Leitungsmodelle in den Pfarreien, in denen nicht mehr automatisch dem Pfarrer alle Aufgaben zufielen. Auch müsse die Kirche „lebensnäher werden, auch im Gottesdienst“. Ritus und Form sowie die Gesänge träfen nicht mehr die Lebenswirklichkeit, so Winterkamp. Der Katholikentag im Mai in Münster habe gezeigt, „dass alternative Angebote, die weniger rituell sind, die Menschen eher ansprechen“.

„Wir können nicht einfach den Reset-Knopf drücken“

Winterkamp verwies auch auf die Anfang September vorgestellte Imagekampagne des Bistums Münster unter dem Leitwort „Für Dein Leben gern“. Sie diene dazu, Kirche mit ihren verschiedenen Aufgaben und Angeboten wahrzunehmen. Es komme darauf an, deutlich zu machen, „dass wir nah am Leben der Menschen dran sein wollen“.

Der Generalvikar verteidigte auch die Gemeindefusionen der vergangenen Jahre. Wie schwierig die seien, habe er selbst als Pfarrer in Bocholt erlebt. Jedoch könne die Kirche angesichts des Schwunds an Mitgliedern auch „nicht einfach den Reset-Knopf drücken und von vorne anfangen“. Viele Kirchenmitglieder hätten noch nicht realisiert, dass es die zentralistische Kirche nicht mehr gebe. „Die Zeiten sind definitiv vorbei“.

„Eucharistie bis zum letzten aller Tage“

Auch angesichts des zu erwartenden Rückgangs bei den Kirchensteuereinnahmen gelte es in Zukunft genau abzuwägen. In einer Stadt wie Münster etwa könne man vielleicht eher auf etwas verzichten als auf dem Land. Um auch künftig wahrgenommen zu werden, gelte es, Präsenz zu zeigen. „Was ich definitiv sagen kann, ist, dass wir immer Eucharistie feiern werden, auch am letzten aller Tage. Ob wir dann noch Krankenhäuser haben oder Ferienlager anbieten, weiß ich nicht.“