Münsters Bischof spricht im Vatikan über die Zukunft der Priesterausbildung

Genn: Ein Priester braucht nicht nur gute Noten

Das Ausbildungsprogramm der Priesterseminare muss nach Ansicht von Bischof Felix Genn drei Faktoren gerecht werden: Den Anforderungen der Kirche, den pastoralen Notwendigkeiten in einer sich wandelnden Zeit und dem jeweiligen Priesteramtskandidaten selbst. Das sagte Genn nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle bei einem Vortrag vor der vatikanischen Kleruskongregation in Rom.

Das Priesterseminar sei die einzige Möglichkeit der Priesterausbildung, weil diese in Gemeinschaft erfolgen müsse, bekräftigte Genn, der in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der „Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“ ist. Priester könnten nur als Menschen „der Gemeinschaft, der Sendung und des Dialogs“ ihr Leben für andere anbieten. So habe es Christus getan. Dem müsse auch die Vorbereitung auf den priesterlichen Dienst entsprechen. „Priesterausbildung ohne Gemeinschaftserfahrung ist nicht möglich“, sagte der Bischof.

Genn will Zusammenlegung von Priesterseminaren

Felix Genn und die Priesterausbildung
Von 1978 bis 1985 war Felix Genn Subregens, also stellvertretender Leiter des Priesterseminars im Bistum Trier. Anschließend, von 1985 bis 1994, war er dort als Spiritual für die geistliche Begleitung der Seminaristen zuständig. Seit 2004 ist Bischof Felix Genn Vorsitzender der „Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“ der Deutschen Bischofskonferenz. Im Vatikan gehört er zudem der Bischofskongregation an.

Zugleich warb er angesichts von Personalknappheit für die Zusammenarbeit mehrerer benachbarter Bistümer in der Priesterausbildung: „Alleingänge schaden nicht nur den Diözesen, denen die Mitarbeit einer Diözese vorenthalten wird, sondern auch der vorenthaltenden Diözese selbst.“ So werden etwa im Priesterseminar in Münster auch die Anwärter aus den Bistümern Essen, Aachen und Osnabrück ausgebildet.

Dabei sei es für die Ausbildung wichtig, den Blick auf die gesamte Persönlichkeit des Kandidaten zu richten. Notwendig sei eine ganzheitliche Ausbildung. „Es ist nicht schon dann jemand ein guter Priester, wenn er die besten Noten in der theologischen Ausbildung erzielt hat“, sagte der Bischof von Münster.

Je mehr Priester, desto frommer das Bistum?

Grundlage und Ziel der Arbeit und Ausbildung in einem Priesterseminar sei die priesterliche Identität. Bisher sei das Ziel der Priesterausbildung vor allem daran festgemacht worden, dass jeder Seminarist das Ziel der Priesterweihe erreiche. Damit ist nach Auffassung von Bischof Genn der Sinn der Ausbildung im Priesterseminar aber noch nicht vollständig erfasst, gehe es doch um den künftigen Dienst der Priesteramtskandidaten und um eine besondere Nähe zu Jesus Christus. „Die erreicht man nicht, indem man sich von den anderen Menschen trennt und seine eigene Besonderheit an die erste Stelle rückt, sondern indem man sich den Menschen und der Welt zuwendet“, betonte der Bischof. Wichtig sei, sich vor einem „priesterlichen klerikalistischen Exklusivismus“ zu hüten.

Auch warnte Bischof Genn davor, nur auf die Zahlen zu schauen und daraus die Bedeutung eines Seminars abzuleiten oder von einer geringen Zahl von Berufungen auf einen geringen Grad von Frömmigkeit in einem Bistum zu schließen. Eine solche Betrachtung sage nichts aus über die Qualität der Ausbildung und über die Motivation der Kandidaten.

Genn: Priester lernen lebenslang

Zugleich muss nach Ansicht des Bischofs im Blick behalten werden, dass die Priesterbildung ein „lebenslanger Lern- und Entwicklungsprozess“ sei. Die priesterliche Existenz könne als Weg aufgefasst werden, der lange vor der Priesterweihe beginne und auch mit dem Empfang der Priesterweihe nicht abgeschlossen sei. Vielmehr sei sie „ein ununterbrochener Weg, der mit jedem Schritt erneut Hinwendung zu Jesus Christus vollzieht“.

Die Kleruskongregation, vor der Bischof Felix Genn seinen Vortrag hielt, befasse sich derzeit mit der Neuordnung der Priesterausbildung, teilte die Bischöfliche Pressestelle mit.